Führungsdebatte in der FDP : Röslers Kritiker bringen sich in Stellung

FDP-Chef Philipp Rösler kann die Debatte um seine Person nicht beenden. Doch er gibt sich kämpferisch. Noch halte kaum jemand Ausschau nach einem Nachfolger. Das könnte sich im Januar ändern - dann wird in Niedersachsen gewählt.

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Keine Konkurrenz? Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner (rechts) lehnte es offenbar in einem Gespräch mit FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle ab, die Nachfolge von Philipp Rösler (links) zu übernehmen.
Keine Konkurrenz? Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner (rechts) lehnte es offenbar in einem Gespräch mit...Foto: picture alliance / dpa

Wenige Tage vor dem politischen Jahresauftakt der Liberalen beim Dreikönigstreffen in Stuttgart und dem Start der heißen Phase des Landtagswahlkampfes in Niedersachsen muss sich FDP-Chef Philipp Rösler weiter gegen massive Kritik aus den eigenen Reihen wehren.

Nachdem der Wirtschaftsminister zuletzt in mehreren Interviews offen gelassen hatte, ob er auf dem Parteitag im Mai noch einmal als Vorsitzender kandidieren will, bemühte er sich am Wochenende um ein Signal der Entschlossenheit. „Ich gebe nicht auf, im Gegenteil: Ich kämpfe für den Erfolg der FDP“, beteuerte er in der „Bild am Sonntag“.

Eine eindeutige Festlegung in Bezug auf die eigene Zukunft als Parteichef vermied der 39-Jährige allerdings auch jetzt. Zuvor hatte er an die eigene Partei appelliert, alle Kräfte auf die Niedersachsen-Wahl am 20. Januar zu konzentrieren. Zugleich hatte er erklärt, seine Kritiker seien in der FDP isoliert.

Mit der Frage eines möglichen Nachfolgers für ihn beschäftigten sich in der Partei nur „einige wenige“, erklärte er am Ende vergangener Woche. Nun mahnte er seine Kritiker, wer sich nicht auf den Wahlkampf konzentrieren und stattdessen „innerparteiliche Debatten“ anzettele, werde damit „dem Erfolg der FDP schaden“.

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Doch Röslers Kritiker in der Partei, die ihn für das Verharren im Umfragetief verantwortlich machen, zeigten sich von seinem Appell zum Ende der Führungsdebatte wenig beeindruckt. Entwicklungsminister Niebel befeuerte die Debatte um Rösler mit neuer Kritik. Im Tagesspiegel am Sonntag hatte das Präsidiumsmitglied beklagt, die Führung der Partei habe die Team- und Kampagnenfähigkeit verloren.

Auch eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz schloss der innerparteiliche Gegenspieler Röslers nicht aus: Er halte es für „ein Zeichen von innerparteilicher Demokratie“, wenn sich auf dem FDP-Bundesparteitag im Mai mehrere Kandidaten um das Amt des Bundesvorsitzenden bewerben würden, sagte Niebel. Der Minister betonte im Deutschlandfunk zugleich, er selber habe aber keine Ambitionen auf den Parteivorsitz.

Damit dürfte auch das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP am 6. Januar in Stuttgart von der Personaldebatte um Rösler überlagert werden. Die Gäste der Veranstaltung werden voraussichtlich eine Art Schaulaufen potenzieller Rösler-Nachfolger erleben. Neben dem Parteivorsitzenden sprechen auch Niebel als baden-württembergischer Spitzenkandidat und Fraktionschef Rainer Brüderle.

Für den Fall eines schlechten Abschneidens der Liberalen in Niedersachsen und eines Sturzes Röslers gilt Brüderle für viele in der FDP als möglicher Übergangsvorsitzender. Allerdings beteuert der Fraktionsvorsitzende stets, er arbeite nicht gegen den Parteichef. „Ich unterstütze Philipp Rösler als Vorsitzenden meiner Partei, und ich werde das auch nach der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar tun“, sagte er.

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