Politik : Fünf Flüchtlinge durch Mine getötet Neue Hinweise auf Massengräber

TIRANA/BRÜSSEL (AFP).Die Not der Flüchtlinge aus Kosovo hat am Wochenende weiter zugenommen.Zu einem tödlichen Zwischenfall kam es am nordalbanischen Grenzübergang Morina.Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kamen dort am Sonntag fünf Flüchtlinge aus dem Kosovo ums Leben, als ihr Wagen auf eine Mine fuhr.Eine OSZE-Sprecher in Tirana teilte mit, daß sich der Vorfall gegen 2.40 Uhr auf jugoslawischem Gebiet, wenige Meter von der Grenze entfernt ereignet habe.Morina ist für die Flüchtlinge einer der wichtigsten Grenzübergänge.Allein am Sonnabend waren dort 20 000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen.

Der NATO liegen nach eigenen Angaben mittlerweile Luftaufnahmen von 43 mutmaßlichen Massengräbern im Kosovo vor.Die fotografierten mutmaßlichen Massengräber unterscheiden sich nach Angaben von NATO-Sprecher Marani von denjenigen in Bosnien: Dort hatten die Serben ihre Opfer in offenen Massengräbern verscharrt.Im Kosovo sei jede Leiche offenbar einzeln in einem nach Mekka ausgerichteten Grab beigesetzt worden - wie es der islamischen Tradition entspreche.Dies untermauert nach Ansicht von Marani die These, daß moslemische Albaner die Getöteten beerdigen mußten.

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) schloß unterdessen nicht aus, daß die fünf Flüchtlinge - drei Kinder, ihre Mutter und die Großmutter - durch serbischen Granatenbeschuß getötet wurden.Während OSZE-Sprecher Angeli in Tirana über die Minenexplosion berichtete, stammten die Angaben des UNHCR über die Granatenexplosion aus dem Flüchtlingslager Kukes.UNHCR-Sprecher Jacques Franquin hatte zunächst von einer Granate gesprochen, später aber auch die Version von der Mine für plausibel erklärt.Nach dem blutigen Vorfall wurde die Grenze bis gegen 9.20 Uhr geschlossen.Seitdem kamen wieder ununterbrochen Flüchtlinge über die Grenze.Nach Angaben von OSZE-Beobachtern hat das jugoslawische Militär die Grenze vermint und mit Betonblocks versperrt.

Den vom UNHCR in Genf am Sonntag vorgelegten Zahlen zufolge sind am Sonnabend insgesamt rund 24 000 Kosovo-Albaner über die Grenze nach Albanien und Mazedonien gelangt.Damit stieg die Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern und der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro auf knapp 600 000.Mangels Personal im Kosovo sieht sich das UNHCR nicht imstande, Angaben über die Zahl der Binnenflüchtlinge zu machen.

Unterdessen hat Frankreich am Sonntag die erste größere Gruppe von Kosovo-Flüchtlingen aufgenommen.Eine französische Militärmaschine mit 148 Menschen an Bord traf am Nachmittag auf dem Flughafen von Lyon ein.Dort wurden die Flüchtlinge von Gesundheitsstaatssekretär Kouchner begrüßt.

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