Politik : Fünf Saudis, vier Ägypter

Ashwin Raman

US-Spezialeinheiten haben die Durchsuchung der Tora-Bora-Höhlen über die Weihnachtsfeiertage intensiviert. Zusätzlich wurden ausgesuchte afghanische Truppen, ausgestattet mit insgesamt 155 Satellitentelefonen und neuen Listen der Gesuchten, mobilisiert. Der afghanische Journalist Jehanullah Hashimzade, der ebenfalls im Besitz dieser Liste ist, sagte dem Tagesspiegel: "Die Amerikaner haben die Suche auf neun Al-Qaida-Kämpfer reduziert. Es werden fünf Saudis und vier Ägypter gesucht." Ganz oben auf der Liste steht - trotz pakistanischer Zeitungsberichte, er sei tot - Osama bin Laden mit dem Hinweis, er werde auch Aka Abu Abdullah genannt. Eine Seite mit Geburtsdatum aus seinem saudi-arabischen Pass wurde beigefügt. An zweiter Stelle befindet sich der Ägypter Ayman al-Zawahiri, das zweitwichtigste Al-Qaida-Mitglied und ein enger Vertrauter von bin Laden.

Zum Thema Afghanistan: Neues Bin Laden-Video ausgestrahlt Interessanterweise befindet sich Mohammed Atef alias Abu Hafs, der Militärchef, der Anfang Dezember von den Amerikanern für tot erklärt worden ist, auch auf der Liste. Er soll während der Bombardierung auf Kandahar umgekommen sein. Dies wurde auch von den Taliban bestätigt. Weitere Gesuchte sind: die Saudis Saad ul-Sharif, ein Schwager bin Ladens, Abdul Hadi, Bilal bin Marwan sowie Saqraul Jarawi. Zwei weitere Ägypter, Saif ul-Aadil, zuständig für bin Ladens Sicherheit, und Ahmed Saeed Khedar, auch bekannt als Abu Abdur Rehman. Khedar, der auch einen kanadischen Pass besitzt, soll der Kommunikationschef der Al-Qaida sein.

Inzwischen steht fest, dass die USA nur zwei hochrangige Talibanführer verhaften konnten. Mullah Fazil, den Kommandeur der Stadt Mazhar-i-Sharif, und Mullah Noori, den Gouverneur der Balkh-Provinz im Norden Afghanistans. Sie sind auf der US-Fregatte "Peleliu", wo sich auch der amerikanische Taliban John Walker, ein Australier namens Hicks und der Saudi Abdul Aziz in Gefangenschaft befinden. Fazil und Noori fühlen sich vom General Dostum betrogen. Sie hatten sich Dostum freiwillig ergeben, mit der Abmachung, amnestiert zu werden. Zusätzlich befinden sich 20 weitere Al-Qaida-Kämpfer in amerikanischem Gewahrsam auf dem Flughafen von Kandahar. Sie werden zurzeit von neun FBI-Agenten befragt. In diesen Tagen wurde ein Hochsicherheitsgefängnis außerhalb Kabuls eingerichtet.

Die USA wollen unterdessen ihre Luftangriffe in Afghanistan auch nach dem Amtsantritt der Interimsregierung weiterführen. Ein Sprecher der von den USA geführten Anti-Terror-Koalition, Kenton Keith, erklärte am Mittwoch in Islamabad, die Angriffe würden fortgesetzt, bis alle Ziele erreicht seien. Es gebe in Afghanistan noch immer Widerstandsnester, die meisten im Osten des Landes. Wegen der Gefahr von Anschlägen wurden die in Kandahar eingesetzten US-Marineinfanteristen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Es gebe eine Vielzahl von Faktoren, die zu diesem Schritt geführt hätten, hieß es. In einem Krankenhaus in Kandahar lieferten sich Al-Qaida-Kämpfer Feuergefechte mit afghanischen Truppen.

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