Politik : Fünf Tage im Oktober

Die Entführung des Schiffes „Achille Lauro“ hielt vor 18 Jahren die Welt in Atem – der Drahtzieher konnte sich anschließend absetzen

Albrecht Meier

Am 7. Oktober 1985 kapern vier schwer bewaffnete palästinensische Terroristen das italienische Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“ vor der ägyptischen Küste. An Bord befinden sich rund 450 Passagiere. Die Entführer verlangen die Freilassung von 50 gefangenen Palästinensern in Israel – so begann ein Geiseldrama, das die Welt anschließend tagelang in Atem hielt. Die Entführer gehören zur Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) – jener Organisation, deren Chef Abu Abbas jetzt in Bagdad festgenommen wurde.

Unter den palästinensischen Terrorkommandos, die vor 18 Jahren aktiv waren, gingen die „Achille Lauro“-Entführer besonders brutal vor. Am zweiten Tag der Entführung erschießen Abu Abbas’ Gefolgsleute auf dem Kreuzfahrtschiff den 69-jährigen amerikanischen Juden Leon Klinghoffer, der an einen Rollstuhl gefesselt ist. Klinghoffers Leichnam werfen die Entführer anschließend über Bord. Einen Tag später geben die Terroristen auf. Im ägyptischen Port Said gehen sie von Bord, nachdem ihnen freies Geleit zugesichert worden ist. Ihr Ziel ist nun Tunis, Sitz des Hauptquartiers der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Während die geretteten Passagiere – darunter 80 Deutsche – in Kairoer Hotels untergebracht werden, beginnt der zweite Teil des Dramas. Am 11. Oktober wollen die palästinensischen Entführer gemeinsam mit ihrem Chef Abu Abbas nach Tunesien fliegen. Als sich die ägyptische Maschine mit den Entführern am späten Abend gegen 22.30 Uhr auf dem Weg in die vermeintliche Freiheit in der Nähe von Kreta befindet, fangen vier US-Kampfjets die Maschine ab. Über Funk weisen die Piloten der US-Kampfjets die Crew an: „Follow me“. Die Maschine mit den Entführern wird in Sizilien zur Landung gezwungen. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan kommentiert die Aktion mit einer Botschaft an Terroristen: „Ihr könnt fliehen, euch aber nicht verstecken.“ Abu Abbas entkommt aber dennoch: Während die italienische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Entführer der „Achille Lauro“ erhebt, gilt der Terroristenchef nur als „Zeuge“. Die Folge: Abu Abbas besteigt ein Flugzeug und setzt sich nach Belgrad ab.

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