Politik : Fünf Tage Staatstrauer für Ronald Reagan

M. Lehming/R. von Rimscha

Washington/Berlin - Ganz Amerika ehrt Ronald Reagan. Am Montag begann die fünftägige Trauerzeit für den verstorbenen früheren US-Präsidenten. Fahnen wurden auf halbmast gesetzt. Die New Yorker Börse nahm den Handel erst nach zwei Schweigeminuten auf, am Freitag bleibt sie geschlossen. Im Fernsehen liefen rund um die Uhr Sondersendungen. Höhepunkt der Feiern soll ein Staatsakt am Freitag in der National-Kathedrale in Washington sein.

Zuletzt wurde diese Ehre dem Ex-Präsidenten Lyndon B. Johnson im Jahr 1973 zuteil. Zu der Trauerfeier wird die gesamte politische Führung der USA erwartet sowie Staatsoberhäupter aus aller Welt. Rund 4000 Persönlichkeiten – darunter die Ex-Präsidenten Bill Clinton, George Bush, Jimmy Carter und Gerald Ford – sind eingeladen. Michail Gorbatschow und Margaret Thatcher wollen anreisen. Deutschland wird durch Bundeskanzler Gerhard Schröder vertreten, der hierfür seinen USA-Besuch anlässlich des G-8-Gipfels in Georgia verlängert. Altkanzler Helmut Kohl ist verhindert, da er China bereist.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind beispiellos. Sämtliche Behörden der US-Bundesregierung werden am Freitag geschlossen. Am Montag war der Sarg bereits in der Reagan-Präsidentenbibliothek in Simi Valley (Kalifornien) aufgebahrt worden. Von dort aus wird er am Mittwoch nach Washington geflogen. Im Kapitol werden bis Freitag voraussichtlich rund 200 000 Menschen von dem Verstorbenen Abschied nehmen. Der 40. US-Präsident war am Samstag im Alter von 93 Jahren gestorben.

George W. Bush und John Kerry setzten ihren Wahlkampf aus. Hinter den Kulissen wird Reagans Tod dennoch instrumentalisiert. Republikaner gruben alte Zitate Kerrys aus, in denen der Demokrat heftige Kritik an Reagan übt. Im Gegenzug brachten Demokraten Redepassagen des ersten Präsidenten Bush in Umlauf, in denen dieser Reagan beschimpft. Ob der amtierende Präsident von Reagans Tod profitiert, ist unklar. Einige Republikaner befürchten, dass Bush im Vergleich zu Reagan schlecht abschneidet, was sein Ansehen mindern würde.

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