Politik : Für 6000 Euro zum Fotoshooting Vorwürfe an die Stiftung Organtransplantation

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Berlin - Vetternwirtschaft und Selbstbedienung: Von diesen Vorhaltungen ist die Deutsche Stiftung Organstransplantation (DSO) nur teilweise entlastet worden. In einem vertraulichen Gutachten der Hamburger BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft heißt es zwar, dass sich bei den meisten Vorwürfen „kein Fehlverhalten des Vorstands erkennen“ lasse. Die Prüfer betonen aber, dass sie sich nur auf „ausgehändigte Daten und Unterlagen“ sowie mündliche Auskünfte stützten, deren Richtigkeit sie „nicht abschließend beurteilen“ könnten. Und in einem Fall sehen sie auch einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung der Stiftung: Für die 530 000 Euro teure Möblierung der neuen DSO-Zentrale in Frankfurt habe der Vorstand keine Genehmigung eingeholt.

Auch in anderen Punkten wirft das 51- Seiten-Gutachten, das dem Tagesspiegel vorliegt, kein gutes Licht auf die Stiftung. Da ist die Rede von vier neuen Dienstwagen in sechs Jahren für den kaufmännischen Leiter, von edlem Schreibgerät , Umzugs- und Gartenbauaufträgen für Verwandte und Bekannte sowie der ausgiebigen Nutzung von Promi-Veranstaltungen durch Familienmitglieder. Einem 6000- Euro-Flug zum Fotoshooting in Los Angeles wurde der dienstliche Anlass bescheinigt, die Angemessenheit spielte bei der Prüfung keine Rolle. Für „Lobbying-Arbeiten“ gab die DSO-Spitze in zwei Jahren mehr als 100 000 Euro aus. Und die Frage, ob das Gebaren der DSO-Spitze mitverantwortlich für den Rückgang der Spenderzahlen ist, wurde gar nicht untersucht.

Im Gesundheitsausschuss hagelte es entsprechende Kritik. Die Vize-Vorsitzende Kathrin Vogler (Linke) nannte es skandalös, dass die DSO mit öffentlichen Geldern die Gesetzgebung zu beeinflussen versuche. Jens Spahn (CDU) stellte klar, dass „nicht die kleinste Ungereimtheit“ offen bleiben dürfe. Und Harald Terpe (Grüne) fragte, ob man der DSO die heikle Materie der Organspende überhaupt noch anvertrauen könne. Rainer Woratschka

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