Politik : Für Blair ist Beckham wichtiger als Politik

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Von Albrecht Meier

15 Staats- und Regierungschefs werden am Freitag beim EU-Gipfel in Sevilla erwartet, aber drei von ihnen werden dem Treffen wegen der Fußball-WM nicht uneingeschränkt folgen können.

Drei europäische Mannschaften im Viertelfinale – die Quote ist nicht überragend, lässt sich aber nach dem Ausscheiden der Favoriten Frankreich, Portugal und Italien nicht mehr ändern. Deren Vertreter dürften in Sevilla immerhin voll bei der Sache sein. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat dafür das Problem, dass die deutsche Nationalmannschaft im südkoreanischen Ulsan am Freitag genau zu dem Zeitpunkt auf die USA trifft, da der EU-Gipfel seine Diskussion über die illegale Einwanderung beendet und sich dem Mittagessen zuwendet. Spaniens Premier José Maria Aznar muss sich am Samstagmorgen entscheiden, ob er das Spiel seiner Mannschaft gegen Südkorea verfolgt oder den Bericht des Präsidenten des EU-Konvents, des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing. Und Großbritanniens Regierungschef Tony Blair hat sich gleich einen Raumgewinn verschafft: Er will erst David Beckham gegen Brasilien spielen sehen, bevor er sich auf den Weg nach Sevilla macht.

Das Europa-Geschäft wird trotzdem seinen Gang gehen – so wie 1998, als der ehemalige Zweitligist Kaiserslautern Deutscher Meister wurde. Das war an einem Samstag, als Helmut Kohl in Brüssel mithelfen sollte, den Euro aus der Taufe zu heben. Der Pfälzer ließ sich lieber über den Spielstand der Lauterer informieren – den Euro gab es dann später, gegen Mitternacht.

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