Politik : Für den Frieden in der Pflicht

Bush will US-Truppen entlasten – und dafür afrikanische ausbilden

Sven Lemkemeyer

Die Belastung ist enorm. US-Truppen sind im Irak, in Afghanistan oder auch auf dem Balkan im Einsatz. Und deshalb sucht US-Präsident George W. Bush nun nach Möglichkeiten, um sie zu entlasten. Bush plant offenbar einen internationalen Fonds, um mehr ausländische Soldaten für Friedenseinsätze auszubilden. Dies berichtete die „Washington Post“ unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium am Montag.

Rund 660 Millionen Dollar will der amerikanische Präsident in den nächsten fünf Jahren für Training, Ausrüstung und Unterstützung ausländischer Armeen bereitstellen. Dabei richte sich die Initiative vor allem an afrikanische Staaten, schreibt die Zeitung. Allerdings sollen auch Streitkräfte in Europa, Asien und Lateinamerika unterstützt werden. Die ausgebildeten Truppen – geplant wird nach Informationen der „Washington Post“ mit 75 000 Soldaten – könnten auch relativ kurzfristig für eine breite Palette von weltweiten Friedenseinsätzen in Marsch gesetzt werden, laute das Ziel Bushs. Und: Die Einheiten könnten dann von den UN oder anderen genutzt werden.

Für Otfried Nassauer, Direktor des Berlin Information-Center for Transatlantic Security (Bits), sind die bekannt gewordenen, aber noch nicht offiziell bestätigten Pläne, ein Teil der so genannten Global-Peace-Operations (GPO) Initiative, die US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schon im Juni 2003 angekündigt hatte. „Bislang gab es dazu aber noch keine näheren Informationen. Es ist das erste Mal, dass die GPO etwas näher erläutert wird“, sagte Nassauer.

„Bush will den Druck von der US-Armee nehmen, indem in bestimmte Regionen keine kämpfenden US-Soldaten geschickt werden müssen“, sagte Nassauer. Da im nördlichen Afrika aus amerikanischer Sicht der Anti-Terror-Kampf im Vordergrund stehe, beziehe sich die neue Initiative vermutlich vor allem auf die schwarz-afrikanischen Länder mit überwiegend christlicher oder gemischt christlich-islamischer Bevölkerung. Denkbare Einsatzgebiete seien zum Beispiel Simbabwe oder auch Mosambik. „Es gibt schließlich eine ganze Reihe von Konfliktherden, in der Region, wo die Lage jederzeit explodieren kann.“

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben