Politik : Für die Gummibärchen

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Von Dagmar Dehmer

Schlüssel sind für Peter Harry Carstensen eine schwer erträgliche Zumutung. Denn die Türen des Agrarausschussvorsitzenden im Bundestag sind immer offen. „Deshalb verliere ich ständig Schlüssel“, gesteht der Neue im „Kompetenzteam“ des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber. Seine Politik der offenen Tür hat gelegentlich kuriose Folgen. Vor einigen Tagen etwa platzte eine seiner zwei Töchter samt Enkel ins Büro, als gerade eine russische Delegation da war. „Dann ging es halt nicht mehr um Agrarpolitik sondern um Kinder“, sagt Carstensen und grinst zufrieden.

Das scheint auch sein CDU-Landesverband zu sein. Seit dem 1. Juni führt Carstensen die schwer zerstrittene Landespartei. Seine Berufung in Stoibers Kompetenzteam helfe ihm dabei, „Gräben zuzuschütten“, wie er seinen Job beschreibt. Denn viele würden jetzt sagen, wenn einer der ihren das wird, hätten sie wohl richtig gewählt.

Das sieht Verbraucherschutzministerin, Renate Künast (Grüne), naturgemäß anders. Dass Peter Harry Carstensen für Lebensmittel, Landwirtschaft, ländliche Räume und Fischerei zuständig sein soll, nicht aber für Verbraucherschutz, bezeichnet sie als „Rückschritt“. Carstensen dagegen hält Künasts „einseitige Förderung“ des Ökolandbaus für das „verheerendste, was der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren passiert sei. Aber richtig geärgert hat er sich über Künasts Angriff auf die Lebensmittelindustrie. Die Ministerin hatte dieser eine Mitschuld daran gegeben, dass immer mehr Kinder in Deutschland zu dick sind. Daran könne man sehen, wie populistisch Künast sei, schimpft Carstensen. „Gummibärchen verbieten, aber Haschisch freigeben.“

Carstensen ist von den Reformvorschlägen des EU-Agrarkommissars Franz Fischler nicht begeistert und hält die „arbeitsteilige Landwirtschaft“ für die zukunftsfähige. Jedenfalls will er den Bauern wieder das Gefühl geben, dass sie „gute Produkte produzieren“. Dafür wird dem gelernten Landwirt vom Deutschen Bauernverband auch eine „hohe fachliche Kompetenz“ bescheinigt. Trotzdem wäre auch ein Landwirtschaftsminister Carstensen nicht nur bequem – zumindest nicht für die Länder. Seine Konsequenz aus den ganzen Kontrollpannen beim Hormonskandal lautet: „Die Kontrolle muss zentralisisert werden.“

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