Politik : Für die Linke bleibt Deutschland geteilt

Matthias Meisner

Berlin - Zuletzt war von einem Wunder die Rede. Nur noch das könne den Einzug der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in den Landtag von Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz bewirken, hieß es von ernüchterten Wahlkämpfern in den beiden Bundesländern. Vor allem sollte die WASG stellvertretend für das Linksbündnis mit der PDS erstmals den Einzug der Linken in ein westdeutsches Länderparlament erkämpfen – und damit die Erfolgsgeschichte fortschreiben, die im Herbst mit dem Einzug von Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und ihrer Truppe in den Bundestag begonnen hatte. Das Wunder sollte nicht eintreten – in beiden Ländern lag die WASG abgeschlagen bei etwa drei Prozent.

PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sprach am Sonntagabend dennoch von einem „guten Tag für die Linke“ und wollte „nicht so viel Schlechtes“ sehen. Rückwirkungen des anhaltenden Streits zwischen WASG und PDS auf das Abschneiden gab er ebenso wenig zu wie der Fusionsbeauftragte Bodo Ramelow, der erklärte, die Linke habe Form und Farbe angenommen und werde ihren Weg als vereinigte Partei gehen. Doch der Weg bleibt holprig genug. Erst am Freitagabend, kurz vor dem Wahltag, hatte die WASG-Bundesspitze einen Rundbrief an alle Mitglieder geschickt, in dem es zur Entwicklung einer neuen Partei heißt: „Hier gibt es reichlich Spannungen, Unbehagen und Kritik.“ Am Wahlabend gab die Wahlalternative kleinlaut zu, ihr Angebot habe die Wähler „noch nicht erreicht“. Dass das Projekt der Linkspartei im Westen „gescheitert“ sei, wie SPD-Chef Matthias Platzeck meine, sei aber „eher Wunschtraum als Realität“.

Absehbar hat die Linke indes nur im Osten bei Wahlen Erfolg – in Sachsen-Anhalt war die PDS mit WASG-Kandidaten angetreten. Doch bleibt sie wohl nur Oppositionsführer, trotz klarer Zugewinne. Die Spitzen der Landespartei hatten vor der Wahl bei der SPD auf Granit gebissen, was ein mögliches Bündnis angeht. Spitzenkandidat Wulf Gallert will der SPD erneut Gespräche anbieten, falls es rechnerisch für Rot-Rot reicht, hat dafür den Rückhalt aus Berlin. „Wenn ein Politikwechsel möglich ist, sollten wir den Politikwechsel befördern“, sagte Bartsch.

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