• Für die ostdeutschen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und Bernhard Vogel fehlt der CDU der Ersatz

Politik : Für die ostdeutschen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und Bernhard Vogel fehlt der CDU der Ersatz

Matthias Meisner

Ganz sicher war sich Bernhard Vogel nicht, ob er es noch einmal wagen sollte. Bevor er dann doch wieder für das Amt des thüringischen Ministerpräsidenten kandidierte, hat er sich erst beim Nachbarn rückversichert. Kurt Biedenkopf aus Sachsen, 69 Jahre alt, beruhigte den drei Jahre jüngeren Zweifler Vogel: Auch er werde, bei der Landtagswahl jetzt im September, noch einmal antreten - und den Wählern versprechen, die gesamte fünfjährige Legislaturperiode zur Verfügung zu stehen.

Die beiden vor Jahren übergesiedelten West-CDUler haben die eigene Nachfolgefrage bewußt offen gelassen. Kapital daraus schlagen kann die Opposition in beiden Bundesländern nicht. Zweifel, dass die beiden Christdemokraten im Rentenalter absehbar zu alt für ihren Job sein könnten, hat kaum einer im Land.

In Sachsen etwa, wo am 19. September ein neuer Landtag gewählt wird, glauben laut Umfrage 80 Prozent der Wähler, dass Biedenkopf die volle Legislaturperiode bis 2004 Ministerpräsident bleiben wird. Und selbst unter den Anhängern von SPD und PDS finden das zwei Drittel gut so. Der damit unschlagbar populäre CDU-Spitzenkandidat hat kein Interesse an einer öffentlichen Auseinandersetzung über einen Kronprinz - obwohl er immer wieder selbst klagte, dass Helmut Kohl in Bonn über Nachfolgefragen nicht reden wollte.

Parallelen weist Biedenkopf zurück. Hinter den Kulissen befasse sich die Landespartei "sehr intensiv" mit dem Thema, versichert der Senior unter den deutschen Regierungschefs. Von "drei guten Leuten", die unmittelbar einspringen könnten, ist dann die Rede.

Die Nachfolgekandidaten kommen aus dem Reich der Spekulation und keiner ist ohne Makel: Fritz Hähle, der Landeschef, ist außerhalb der Grenzen des Freistaats praktisch unbekannt, Kultusminister Matthias Rösler wirkt zu naseweis. Finanzminister Georg Milbradt wäre eine gute Fachkraft. Doch ist er auch populär genug und will die Partei wieder einen Westdeutschen? Gute Gründe, die Entscheidung auszusitzen. "Gegen Biedenkopf ist kein Kraut gewachsen", räumt ein ranghoher sächsischer Christdemokrat unumwunden ein.

Sachsens SPD-Chef Karl-Heinz Kunckel, der den Kampf um das Ministerpräsidentenamt für diese Wahl aufgegeben hat, sieht das ähnlich: "Ich glaube nicht, dass Biedenkopf von der Struktur her in der Lage ist, einen Nachfolger aufzubauen." Aus Sicht von Kunckel hat das auch mit nicht ausgetragenen Richtungskämpfen in der Landespartei zu tun: Das Kräftemessen zwischen Neoliberalen, Nationalen und Sozialpolitikern sei nicht entschieden.

Biedenkopf ist schon so alt, dass er nach der Gemeindeordnung in Sachsen nicht einmal Bürgermeister werden dürfte. "Ich wüßte nicht, wie ich das wirklich thematisieren sollte", sagt ein sächsischer PDS-Spitzenmann. "Wenn ich ein Markenprodukt frontal angehe, hole ich mir meistens Beulen. Irgendwo hat Biedenkopf uns alle überwältigt." Ähnlich ernüchtert sehen das nach den Erfahrungen aus dem Wahlkampf 1994 die sächsischen Sozialdemokraten: Die direkte Auseinandersetzung mit dem Landesvater wollen sie in der aktuellen Kampagne vermeiden.

Auch Vogel in Thüringen kann unbesorgt sein. Auch er lässt sich mit der Nachfolgeentscheidung Zeit, ohne dass es ihm schadet. Fast, als ob er es mit Biedenkopf absprochen habe, spricht auch er von drei potentiellen Kronprinzen. Anders als "König Kurt" fügt er die Namen der Nachfolgekandidaten auch offiziell hinzu: Kultusminister Dieter Althaus, Fraktionschef Christian Köckert und Finanzminister Andreas Trautvetter. Mal zeigt er sich mit dem einen, mal mit dem anderen - und hält so in Wahrheit alles offen. Das Konzept Teile und Herrsche scheint aufzugehen: Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten in Thüringen wäre der amtierende Regierungschef laut Umfrage mit 73 Prozent klarer Sieger.

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