Politik : Für eine gerechtere Welt

Erstmals findet das Weltsozialforum an zwei Orten statt – Soziale Bewegungen fürchten Vereinnahmung durch linke Politiker

Dagmar Dehmer

Berlin - Zum ersten Mal findet ein Teil des Weltsozialforums in Afrika statt. Am Montag endet die erste Hälfte der Vollversammlung von Globalisierungskritikern in Bamako, der Hauptstadt Malis in Westafrika. Am Dienstag geht die zweite Hälfte in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, bis zum 29. Januar weiter. Der dritte Teil hätte in Karachi in Pakistan stattfinden sollen, wurde aber wegen des schweren Erdbebens auf unbestimmte Zeit verschoben.

Mit etwas mehr als 600 Seminaren und Vorträgen ist das Treffen in Bamako der kleinere Teil des Sozialforums, das 2001 als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet worden war. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 30 000 Teilnehmern. In Caracas richten sich die Organisatoren, mit neun Millionen Dollar großzügig von der Regierung des Präsidenten Hugo Chavez unterstützt, auf rund 80 000 Teilnehmer ein. Auch die deutschen Globalisierungskritiker von Attac reisen nach Caracas, nicht nach Bamako, ebenso die Delegation der Linksfraktion im Bundestag.

Das Weltsozialforum in Bamako begann mit einem Protestzug von etwa 4000 Demonstranten durch die Hauptstadt. Die Themen kreisen um afrikanische Probleme: Schuldenerlass, Landwirtschaft und Landreform, Flucht vor der Armut, Umweltzerstörung und die Stärkung von Frauenrechten. Die SPD-nahe Friedrich- Ebert-Stiftung beteiligte sich mit einem Seminar zu Gewalt in den Städten. Die PDS-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung übte mit einem Seminar zur Nepad-Initiative, mit der unter anderem der Kampf gegen Korruption unterstützt werden soll, scharfe Kritik an afrikanischen Bemühungen um Reformen und bessere Regierungsführung. Für sie ist Nepad nichts weiter als ein Zeichen für „südafrikanischen Imperialismus“.

In Caracas werden sich die Globalisierungskritiker mit einem ganz anderen Problem herumschlagen: Nachdem 2003 der neu gewählte brasilianische Präsident Lula da Silva gefeiert worden war, haben sich für 2006 zwei weitere Präsidenten angekündigt. Neben Venezuelas Hugo Chavez, der schon bei früheren Weltsozialforen gefeiert wurde, obwohl die Globalisierungskritiker sonst Wert darauf legen, nicht von Parteien oder gar Regierungen vereinnahmt zu werden, steht auch der neue bolivianische Präsident Evo Morales auf der Liste der Redner. Kerstin Sack, die für Attac nach Caracas reist, erwartet „Auseinandersetzungen um die Zukunft der Sozialforen“. Die dürften auch dadurch befeuert werden, dass erstmals Zapatisten aus dem mexikanischen Chiapas teilnehmen. Sie kämpfen seit 1994 für mehr Autonomie. Bisher hatten die Globalisierungskritiker bewaffnete Organisationen ausgeschlossen. Das nächste Weltsozialforum soll 2006 – dann wieder zentral – in Nairobi stattfinden.

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