Politik : „Für eine humane Idee“

Bei der Trauerfeier für die getöteten Polizisten nennt Schäuble den Afghanistan-Einsatz alternativlos

Tissy Bruns

Berlin - „Wir alle haben am 15. August in Kabul drei gute Kameraden verloren“, sagt der deutsche Botschafter in Afghanistan am Ende seiner Rede. Mit sehr persönlichen Worten würdigt Hans-Ulrich Seidt die getöteten Polizeibeamten: Jörg Ringel, ein vitaler Franke, der stolz darauf war, dem Schutzkommando der Bundeskanzlerin anzugehören, von dem er zeitweilig nach Afghanistan abgeordnet war. Mario Keller, ein stiller, freundlicher, bescheidener Mensch, der seinen sportlichen Ehrgeiz dämpfen musste, wenn er neben dem Botschafter an einem Wettlauf teilnahm, weil er für dessen Schutz verantwortlich war. Alexander Stoffels, sehr pflichtbewusst, der seine Familie und seine badische Heimat liebte und den Botschafter morgens in dessen heimatlicher Mundart begrüßte.

Vor den Stufen des Altars im Berliner Dom, wo am Samstagnachmittag die Trauerfeier stattfindet, stehen große Fotos der Getöteten. Es sind junge Gesichter, vor denen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Beginn des Gottesdienstes verneigt. Familienangehörige, Kollegen, viele Bürger, Politiker aller Parteien, aus der Bundes- und Landespolitik, haben sich im Dom versammelt, um Abschied zu nehmen. „Sie haben ihr Leben verloren bei ihrem Auftrag, Leben zu schützen“, sagt Dompredigerin Petra Zimmermann zu Beginn. Prälat Patrick Boland, katholischer Dekan der Bundespolizei, liest aus dem Buch Jesaja und verspricht: „Sie bleiben unvergessen. Sie bleiben Gott unvergessen.“

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte bereits an der kurzen Trauerzeremonie teilgenommen, die auf dem Berliner Flughafen Tegel im Kreis der Familienangehörigen stattfand. Auf dem militärischen Teil des Flughafens war am Mittag die Bundeswehrmaschine mit den sterblichen Überresten der Toten eingetroffen. Die in Deutschlandfahnen gehüllten Särge wurden auf dem Rollfeld aufgebahrt, Polizisten bildeten ein Ehrenspalier.

„Kriminaloberkommissar Jörg Ringel, Polizeiobermeister Alexander Stoffels und Polizeiobermeister Mario Keller haben mit dem Schutz der Deutschen Botschaft und ihrer Mitarbeiter zur Absicherung der diplomatischen Mission und somit zur Stabilisierung der Krisenregion beigetragen“, sagt Schäuble bei der Feier im Dom. Den Angehörigen wünscht der Bundesinnenminister, „dass Sie in diesen schweren Stunden Rückhalt, Kraft und Trost finden können im Kreis Ihrer Familien, der Freunde und Kollegen“.

Der Einsatz der internationalen Sicherheitskräfte, insbesondere auch das militärische Engagement zur Stabilisierung von Frieden und Freiheit in einem besonders krisengeplagten Teil unserer Welt, sei ohne Alternative, sagt Schäuble. Er verspricht: „Gemeinsam mit der afghanischen Regierung werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Täter dieses feigen, brutalen und hinterhältigen Verbrechens zu ermitteln und ihrer Strafe zuzuführen.“ Schäuble würdigt eindringlich den Mut der Polizisten und die Bereitschaft, ein hohes Risiko zu tragen. Polizisten dienten einer humanen Idee, einer friedliebenden, freiheitlichen Ordnung, die nicht mögliche wäre, wenn nicht Menschen bereit seien, sie zu schützen. Der Hass von Terroristen gelte deshalb nicht einzelnen Menschen oder Ländern, sondern der gesamten freiheitlichen, friedliebenden Welt. Diese Bedrohung könne überwunden werden, „geduldig, beharrlich und mit langem Atem“. Die drei Polizisten haben ihr Leben für unser Vaterland gegeben, sagt Schäuble: „Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit und hoher Achtung vor den Toten.“

Die drei Polizisten waren am Mittwoch bei einem Anschlag am Rande der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen. Sie gehörten zum Schutzkommando für die deutsche Botschaft und waren auf dem Weg zu einem Training, als ihr Fahrzeug durch eine Panzermine zerstört wurde. Ein weiterer deutscher Polizist, der bei dem Anschlag verletzt wurde, befindet sich noch in Afghanistan.

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