Fußball und Politik : Rumpelstilzchen Löw und Aussitzerin Merkel

Wenn es stimmt, dass der Zustand des Landes dem des Fußballs folgt, dann geht es aufwärts mit Deutschland. Aber ihr Ghana-Spiel hat die Regierung noch vor sich. Und die Nation kann sich auf ein Tänzchen der Kanzlerin freuen.

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Bundeskanzlerin und Bundestrainer.
Bundeskanzlerin und Bundestrainer.Foto: dpa

Das Desaster wurde abgewendet, die Schmach von Johannesburg ist den Deutschen und dem deutschen Fußball erspart geblieben. Unsere jugendlichen Helden haben gewankt, aber gekämpft und - Mesut Özil sei Dank - Deutschland steht im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Ghana war stark, aber nicht stark genug, um sich gegen die alten deutschen Fußballtugenden durchzusetzen. Kaum hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Krise für beendet erklärt, geht es auch mit der Löw-Truppe wieder aufwärts. Autosuggestion wirkt. Der Sturm war kaum zu sehen, im Mittelfeld holperte es ein wenig und in der Abwehr hat auch ein bisschen das Glück geholfen, aber die ganze Nation kann nun weiter von einem neuen Sommermärchen träumen.

Hohn und Spott müssen andere über sich ergehen lassen. Während die Franzosen bereits geschlagen, zerstritten und gedemütigt wieder zu Hause sind, bereiten sich Lahm, Schweinsteiger und Co. also auf das Duell gegen England vor. Angela Merkel kann zudem gelassen nach Toronto reisen. Keine billigen Sprüche über die geschlagene Fußballnation wird sie sich auf dem G-20-Gipfel von ihren Präsidenten- und Premierministerkollegen anhören müssen und keine besorgten Nachfragen. Mit Barack Obama kann sie über das Glück des Tüchtigen im Sport wie in der Politik fachsimpeln. Mit dem neuen britischen Premierminister David Cameron könnte sie sich zum Public Viewing bei Bier, Fish und Chips verabreden und die deutsch-englische Völkerfreundschaft erneuern. Zumindest bis zum Elfmeterschießen.

Nicolas Sarkozy wird es in Kanada hingegen nicht leicht haben, und wenn es stimmt, dass der Zustand der französischen Nationalmannschaft dem Zustand der französischen Nation gleicht, dann stellt sich natürlich die Frage, was der Einzug der Fußballnationalmannschaft ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Südafrika für Deutschland bedeutet.

Es geht im Fußball also doch zu wie in der Politik. Ein bisschen weniger Rumpelfußball wird genauso bejubelt wie ein paar Milliarden weniger Schulden. Ein Achtungserfolg reicht und die ganze Nation träumt von der Weltmeisterschaft sowie von einem neuen Wirtschaftsaufschwung. Wie das Team lässt sich also auch die Konjunktur stark reden. Dazu schlägt der brave Boateng auch noch den wilden Halbbruder, Wilmersdorf gewinnt sozusagen gegen Wedding, das lässt auch für die Integration hoffen, zumal zugleich ein Deutsch-Türke aus Gelsenkirchen zum Schlüsselspieler der Nationalelf avanciert ist. Nur ein Unterschied ist augenfällig. Während der Bundestrainer an der Seitenlinie tanzt wie Rumpelstilzchen und sein Nachwuchsteam zum Sieg treiben will, sitzt die Kanzlerin auf der Regierungsbank jede Krise stoisch aus.

Ihr Ghana-Spiel hat die Kanzlerin zudem noch vor sich. Wenn Merkel aus Toronto zurück ist, dann steht für sie ein wichtiges Heimspiel an. Eine Niederlage würde für ihre Regierung das vorzeitige Aus bedeuten. Der Gegner kommt aus dem Osten und ist unerwartet stark, die eigene Truppe ist nervös. Der Hoffnungsträger, der es rausreißen soll, ist zudem noch recht jung. Die Regierung wankt. Aber wenn die Union kämpft und sich die Liberalen auf alte politische Tugenden besinnen, dann können Angela Merkel und ihre Anhänger auch nach der Bundespräsidentenwahl am kommenden Mittwoch weiter von einem Erfolg ihrer schwarz-gelben Wunschkoalition träumen. Vielleicht greift die Kanzlerin ja auch noch zum allerletzten Erfolgsrezept, um das eigene Team anzutreiben und führt im Kanzleramt ein kleines Jogi-Tänzchen auf. Die Nation wird es ihr danken, wenn es dem Aufschwung hilft, dem Koalitionsfrieden dient und vor allem Deutschland den Sieg gegen England bringt….

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