G-20-Ergebnis : Amerika sieht’s anders

Was haben die G 20 vereinbart? Die Darstellung der US-Medien weicht von der deutschen Sicht ab.

Christoph von Marschall

Washington - Nach jedem internationalen Gipfel gibt es ungefähr so viele Versionen, was tatsächlich besprochen und vereinbart wurde, wie Länder beteiligt waren. Jede Regierung streicht ihre angeblichen Erfolge heraus. Am Tag nach dem G-20-Treffen in Pittsburgh unterscheiden sich die Berichte der US-Medien vor allem in drei Punkten von der Darstellung der deutschen Delegation.

Neue Auflagen zur Eigenkapitaldeckung der Banken: Die Vorgabe, dass Banken künftig ein höheres Eigenkapital zur Absicherung ihrer Geschäftsrisiken vorhalten müssen, ist nach US-Zeitungsberichten dem Drängen der Regierung Obama zu verdanken. Bei den Briefings der Bundesregierung in Pittsburgh hatte es umgekehrt geklungen – als habe Kontinentaleuropa die Einigung den Angelsachsen abgetrotzt, die tendenziell gegen strengere Regeln für die Finanzbranche seien. Die „New York Times“ schreibt, die neue Regelung gehe zu Lasten „französischer und deutscher Banken, die niedrigere Kapitalreserven haben als ihre amerikanischen Konkurrenten“. Vertreter Europas hätten beklagt, dass ihre Banken einen Nachteil erleiden, wenn sie künftig mehr Geld für eine höhere Eigenkapitaldeckung aufwenden müssen.

Boni für Banker: Nach deutscher Darstellung haben sich die G 20 auf gemeinsame Regeln für die Bezahlung von Bankern geeinigt, die verhindern, dass kurzfristige Spekulationsgewinne sich in hohen Erfolgsboni auszahlen. US-Medien schildern es verhaltener. Franzosen und Deutsche hätten auf eine Obergrenze für Managergehälter gedrungen, Amerikaner und Briten eine so rigide Regelung abgelehnt. Das „Wall Street Journal“ schreibt, es habe „teilweise Kompromisse“ gegeben, die es jedem Land offen halten, wie es das Ziel erreicht, nur längerfristige Erfolge durch Boni zu belohnen. Die „Washington Post“ meint, man habe sich auf die Prinzipien, nicht aber auf gemeinsame Regeln geeinigt. Laut „New York Times“ hat „die amerikanische Sichtweise gesiegt“. Es bleibe jeder Regierung überlassen, welche nationalen Auflagen sie den Banken mache.

Deutschland am Pranger: Da Deutschland (wie China und Japan) hohe Exportüberschüsse erzielt, hatte die Bundesregierung Kritik wegen einer angeblichen Verzerrung des Welthandels befürchtet. In Pittsburgh war die deutsche Delegation erleichtert, dass die Sorge über die Handelsungleichgewichte in der Schlusserklärung nur allgemein auftaucht, ohne Nennung Deutschlands. Die US-Medien schreiben jedoch, Deutschland und China hätten sich verpflichten müssen, ihre Exportüberschüsse abzubauen, den nationalen Konsum anzukurbeln und die Sparrate zu senken. Umgekehrt mussten die USA versprechen, sich weniger Geld im Ausland zu leihen und den Bürgern Anreize zum Sparen zu geben. In anderen Punkten herrscht dagegen mehr Einigkeit. Die G 20 verdrängen die G 8, die Stimmrechte im IWF verschieben sich zugunsten der Schwellenländer. „Nationen einigen sich auf gegenseitige Aufsicht“ über ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik, hält das „Wall Street Journal“ fest. „G 20 übernehmen größere Rolle in der Weltwirtschaft“, titelt die „Washington Post“. Christoph von Marschall

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