G-8-Gipfel : Bundeswehr spähte Protestler aus

Demonstranten statt Taliban: Bundeswehr-Tornados haben am Rande des G-8-Gipfels in Heiligendamm Protestlager ausgespäht. Der Bundeswehr-Einsatz im Inneren sei auf Antrag des G-8-Organisationsstabs erfolgt, hieß es.

BerlinDie Bundeswehr hat während des G-8-Gipfels Aufklärungsdaten über Demonstranten gesammelt und dabei ein Protest-Camp mit Tornado-Kampfjets in geringer Höhe überflogen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Hans Christian Ströbele. Demnach überflogen zwei Tornados am 5. Juni vormittags den Bereich der Ortschaft Reddelich, wo sich ein großes Zeltlager der Gipfelgegner befand. Die Flughöhe habe 150 Meter betragen, was dem niedrigsten zulässigen Wert entsprach.

Der Flug sei im Rahmen der technischen Amtshilfe auf Antrag des Organisationsstabes G-8-Gipfel des Landes Mecklenburg-Vorpommern hin ausgeführt worden, hieß es weiter. Ziel dieses und weiterer Bundeswehr-Flüge war demnach, durch Bildvergleiche "Veränderungen der Bodenbeschaffenheit und Manipulationen an wichtigen Straßenabschnitten" zu erkennen. Dazu seien Luftaufnahmen angefertigt worden, auf denen auch das Camp der Demonstranten zu sehen war. Die Bilder seien dann an den Organisationsstab weitergeleitet worden.

Ströbele war nach eigenen Angaben auf eine Bürgerbeschwerde hin tätig geworden. Demnach sei ein Tornado-Jet in extremem Tiefflug direkt auf das Camp Reddelich zugeflogen und dann in einer scharfen Kurve abgedreht. Bei dem Flugzeug handelte es sich offenbar um eine Aufklärungsmaschine des Typs Recce-Tornado, wie sie auch von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt werden.

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