Politik : G-8-Gipfel: "Machen Sie sich ein paar schöne Tage, ich werde Ihnen das bezahlen"

Ruth Reimertshofer

Der G-8-Gipfel ist vorbei, und Genua bleibt in einem Schockzustand zurück. Die Stadt ist teilweise stark verwüstet, Trauer und Wut beherrschen die Gefühle der Menschen in der ligurischen Hafenstadt. Die acht Staats- und Regierungschefs, die zwei Tage in Genua zu Gast waren, bedankten sich beim Abschied noch einmal ausdrücklich bei der örtlichen Bevölkerung. Auch am Montag waren immer noch einige Geschäfte mit Sperrholz-Platten verbarrikadiert, die meterhohen Gitter rund um die Sperrzone des Tagungsortes wurden erst nach und nach abgebaut.

Der Gastgeber des Gipfels, der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, war am Sonntag mit dem Bürgermeister zusammengetroffen und hatte eine zusätzliche Finanzspritze der Regierung für die Genueser versprochen. Am Montag sollte in der ersten Kabinettsitzung nach dem G-8-Gipfel ein Betrag von umgerechnet 15 Millionen Mark zur Sanierung der Schäden zur Verfügung gestellt werden.

Kurz vor seiner Abreise aus Genua besuchte Berlusconi den am vergangenen Montag durch eine Briefbombe verletzten Carabiniere, der in einigen Tagen das Krankenhaus verlassen kann. "Fahren Sie danach in den Urlaub und machen Sie sich ein paar schöne Tage, ich werde Ihnen das bezahlen", war das sicher gern angenommene Abschiedsgeschenk des Regierungschefs.

US-Präsident George W. Bush reiste unterdessen am Sonntagnachmittag zu einem Staatsbesuch nach Rom weiter. Anschließend traf er den Papst in dessen Sommerresidenz bei einer Privataudienz. Weitere Gesprächspartner waren Italiens Staatspräsident Ciampi und Berlusconi. Am Montag verlagerte sich deshalb auch der Protest der Globalisierungsgegner - wenn auch in stark abgeschwächter Form - vor das Parlamentsgebäude in der italienischen Hauptstadt. Die Demonstranten wollten in Rom der Forderung nach dem Rücktritt von Innenminister Scajola Nachdruck verleihen. Nach dem Tod des Demonstranten in Genua fordert neben der kommunistischen Opposition und den Grünen inzwischen auch das gesamte Mitte-Links-Bündnis den Rücktritt des Ministers.

Das Olivenbaum-Bündnis verlangte am Montag auch eine parlamentarische Untersuchungskommission zu den Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Genua. Francesco Rutelli, der Führer der Mitte-Links-Opposition, hat bereits in den vergangenen Tagen die Regierung für die Organisation des Gipfels und den Polizeieinsatz kritisiert.

Die renommierte Tageszeitung "La Repubblica" titelte am Montag "Sturm auf die Polizei". Das Blatt fasste damit die vielstimmige Kritik zusammen, die der Polizeieinsatz bei der nächtlichen Razzia im Medienzentrum des "Genova Social Forum" bei Veranstaltern und Beobachtern ausgelöst hat. Berlusconi erklärte, er habe erst am Sonntagmorgen von der in der Nacht durchgeführten Razzia erfahren, während der Innenminister sagte, von dieser erst nach deren Ende um 2.30 Uhr informiert worden zu sein.

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