G-8-Gipfel : Ohne uns

Die G-8-Staaten haben sich auf die Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 geeinigt. Die großen aufstrebenden Schwellenländer machen dabei nicht mit. Ihnen fehlen Geld und technische Hilfsmittel zum Kampf gegen die Erderwärmung.

Finn Mayer-Kuckuk[Toyako]

China, Indien und andere bedeutende Schwellenländer haben ehrgeizigen Klimaschutzzielen vorerst eine Abfuhr erteilt. Zum Abschluss des G-8-Gipfels im japanischen Toyako stellten sie sich nicht geschlossen hinter das Vorhaben der acht größten Industrienationen, den Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2050 zu halbieren. Die Schwellenländer wollten nur im Rahmen ihrer Fähigkeiten zu einem neuen Klimaschutzabkommen beitragen, hätten derzeit aber weder das Geld noch die Technik für einen erfolgreichen Kampf gegen die Erderwärmung.

In der Runde der weltweit größten Volkswirtschaften sind sie nicht auf den Plan der führenden Industrienationen eingegangen, bis 2050 den weltweiten Treibhausgasausstoß um mindestens die Hälfte zu verringern. „Beim Major Economies Meeting haben sich nur Südkorea, Indonesien und Australien zu dem Langfristziel bekannt“, sagte Kazuo Kodama vom japanischen Außenministerium. Das bedeutet umgekehrt: Brasilien, China, Indien und Mexiko sind nicht mit im Boot.

Ohne die Teilnahme der am schnellsten wachsenden Länder ist ein gemeinsames weltweites Ziel jedoch illusorisch. „Indien und China müssen etwas beitragen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Wir werden unser Ziel nie erreichen, wenn wir die anderen nicht einbeziehen.“ Nach der Freude über das Einlenken der USA am Dienstag flog sie am Mittwoch nur „verhalten glücklich“ nach Deutschland zurück. Sie ist jedoch optimistisch bezüglich des weiteren Verlaufs: Wenn die G 8 ihre Führungsrolle beim Erreichen des Langfristziels ausfüllen, dann werden auch die Schwellenländer folgen, so die Kanzlerin. „Die Kuh ist nicht vom Eis, aber sie steht jetzt an einer viel günstigeren Position.“

China kommentierte seine Haltung nicht offiziell. Peking erwarte aber von den entwickelten Ländern schlicht mehr Einsatz, ist aus Verhandlungskreisen zu hören. Das schnell wachsende Land befürchte folgendes Szenario: Die Industrieländer verpflichten sich nur zu Zwischenzielen, die auf eine Einsparung nur knapp über fünfzig Prozent hinauslaufen. Die restliche Verantwortung würde dann bei den Schwellenländern liegen. Um die komplette Halbierung weltweit zu erreichen, müssten diese dann praktisch gegen ihren Wachstumstrend sparen. Diese Aufgabe wäre viel schwerer, als von hohem Niveau bei womöglich schrumpfender Bevölkerung herunterzukommen.

Die G 8 sehen das anders. Die konkrete Aufteilung der Verantwortung sei erst der nächste Schritt, versichert Merkel. Der Gipfelbeschluss setze nur die Zielmarke. Über die nationalen Zwischenziele werde erst im kommenden Jahr gesprochen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ging noch einen Schritt weiter und gab China die Schuld an dem gemischten Ergebnis des G-8-Gipfels. Es kam jedoch für Chinabeobachter nicht überraschend. Am Klimaschutz seien die Chinesen durchaus interessiert. Sie wollten aber für einen künftigen Erfolg zusätzliche Zugeständnisse heraushandeln, sagt ein Experte.

Die USA hatten am Dienstag ihre Haltung aufgegeben, auf einer Vorleistung der Schwellenländer zu beharren. Das Minimalziel einer Halbierung der Emissionen ist als „Vision“ ausgedrückt, was jedoch als Formulierung in internationalen Dokumenten nicht ungewöhnlich ist – schließlich können die G 8 nicht einfach für die ganze Welt entscheiden. Sie verweisen für die Ausgestaltung des Ziels auf die Vereinten Nationen und ihre Kopenhagenkonferenz 2009. Dort werden Vertreter aus 170 Ländern zusammenkommen. Spätestens dann müsste auch ein Ausgangsjahr feststehen – die EU rechnet mit 1990, Japan mit der Gegenwart und die USA haben noch gar nichts dazu gesagt. Die fünf großen Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika erbringen 21 Prozent der kaufkraftbereinigten Weltwirtschaftsleistung (bei 43 Prozent der Weltbevölkerung), die Wirtschaftsleistung der G 8 liegt bei 47 Prozent.

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