Politik : G 8-Gipfel: Polizist in Genua vor Weltwirtschaftstreffen schwer verletzt

Ruth Reimertshofer

Zum offiziellen Eröffnungstag des von der No-Global-Bewegung organisierten Alternativgipfels gegen das am Freitag in Genua beginnende G 8-Weltwirtschaftstreffen ist ein italienischer Polizist schwer verletzt worden. Der 21-Jährige öffnete um 10.30 Uhr in einer Kaserne in San Fruttuoso, einem Stadtteil von Genua, die Morgenpost, als eine Paketbombe in seinen Händen explodierte. Er erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades an Gesicht und Händen sowie eine Augenverletzung und musste blutüberströmt und bewusstlos in das Krankenhaus von Genua gebracht werden, wie die Polizei mitteilte.

Der Widerhall der Explosion wurde im Umkreis von mehreren hundert Metern vernommen und verursachte eine größere Menschenansammlung. Zwei weitere Ereignisse versetzten die Polizeibeamten in höchsten Alarmzustand: ein Lieferwagen mit französischem Kennzeichen, der führerlos vor der Kommandatur der Carabinieri stand und eine weitere als Briefbombe verdächtigte Postsendung an eine andere Polizeistation, die sich nach Überprüfung jedoch als ungefährlich erwiesen.

Diese Episoden sind lediglich der Auftakt der besonders heißen Woche, in der Genua den Höhepunkt des Belagerungszustandes erleben wird, der mit den Vorbereitungen zum G 8-Gipfel seit Wochen einhergeht. Die Stadt wird wie eine Festung abgeschirmt, bereits Montag früh wurden auch die Mauern geliefert, auf denen vier Meter hohe Umzäunungen angebracht werden, um die so genannte "rote Zone" des Gipfel vollkommen abzuschirmen.

Die Regierung hat vergangene Woche durch die beabsichtigte Schließung der beiden großen Bahnhöfe der Stadt de facto eine Verschärfung der Spannungen mit der großen No-Global-Bewegung eingeleitet, die sich anschickt in den kommenden Tagen Massendemonstrationen gegen den G 8-Gipfel zu organisieren, bei denen die Teilnahme von mindestens 150 000 Menschen erwartet wird. Aus Protest gegen die Schließung der Bahnhöfe Genuas wurden für die kommenden Tage in ganz Italien spektakuläre Aktionen gegen Schnellzüge angekündigt. Das Genoa Social Forum, die Organisationsplattform, der über 350 verschiedene oppositionelle Gruppierungen angehören, hat die Bombe von Montag früh als eine Provokation gegen die breite Antiglobalisierungs-Bewegung gewertet.

Haft wegen Krawallen in Göteborg

Wegen der Krawalle beim EU-Gipfel in Göteborg wurde ein 19-jähriger Deutscher am Montag in Schweden zu sechs Monaten Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, am Rande der Tagung Mitte Juni Sicherheitskräfte mit Pflastersteinen beworfen zu haben. Wegen seiner Beteiligung an der Randale hatten ihm bis zu vier Jahren Haft gedroht.

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