G-8-Gipfel : Proben für den "Zaunspaziergang"

Die Vorbereitung für die Protestaktionen rund um den G-8-Gipfel im Juni in Heiligendamm gehen in die "heiße Phase". Am Wochenende diskutierten rund 400 Gipfelkritiker die Feinplanung für das Konzept des Gegengipfels.

Rostock - Mit einer provisorischen Straßenblockade und einem "Zaunspaziergang" lieferten sie einen Vorgeschmack auf das geplante Programm in der ersten Juniwoche. Die Aktivitäten wurden von einem Großaufgebot der Polizei begleitet, es kam jedoch zu keinen Auseinandersetzungen. Rund 300 Demonstranten liefen am Sonntag einen Teil des kilometerlangen Sicherheitszaunes bis zur Ostseeküste ab. Schon bei der Vorbereitung der angemeldeten Demonstration hatte es Konflikte zwischen Polizei und Aktivisten gegeben, die in mehreren Platzverweisen für die Gipfelkritiker endeten. Zum Zug der "Zaunspaziergänger" gehörten unter anderem Stelzenläufer in der Verkleidung von Bolzenschneidern, es blieb jedoch bei der Anspielung, den Zaun zu beschädigen, wie die Polizei mitteilte. Es seien weder Platzverweise ausgesprochen oder Personen festgenommen worden, hieß es aus dem Lagezentrum.

Zuvor hatten einige Demonstranten die Zufahrtsstraße blockiert, während andere Aktivisten in die Rolle von Polizisten schlüpften und sich in der Räumung der Straße versuchten. Das Rollenspiel habe nur wenige Minuten gedauert, sagte ein Polizeisprecher, es sei für beide Seiten sehr lehrreich gewesen. Strategien des "zivilen Ungehorsams" zu testen, die nicht zur Eskalation führten, war auch eines der erklärten Ziele der Aktivisten, wie zuvor auf der dritten internationalen Aktionskonferenz in Rostock betont wurde. Die Zusammenarbeit zumindest mit den Kommunen sei inzwischen gut und fast freundschaftlich, sagte Monty Schädel vom Rostocker Aktionsbündnis. Jedoch fehle es noch an finanzieller Unterstützung des Protestes.

Planungen dauern bereits zwei Jahre an

Die Aktionen würden in ehrenamtlicher Arbeit tausender Mitstreiter vorbereitet, betonten die Veranstalter. Bundesweit seien bereits 600 Veranstaltungen organisiert worden, um den Protest gegen die Politik der G-8-Staaten ins Land zu tragen und um Unterstützung zu werben. Allein die Durchführung der Großdemonstration am 2. Juni in Rostock werde rund 200.000 Euro kosten, jedes der drei geplanten Camps schlage mit 130.000 Euro zu Buche.

Nach rund zweijähriger Planung stehe das Programm der Protestaktionen rund um den Gipfel in Heiligendamm, sagte Christoph Kleine von den Veranstaltern der Aktionskonferenz. Jetzt gehe es um die Feinplanung und um Details der Camps, der Großdemonstration, der kirchlichen Veranstaltungen wie der Gebetskette, der Blockade des Veranstaltungsortes in Heiligendamm sowie des Flughafens Rostock-Laage. "Wir werden großartige, breite, bunte, aber auch entschlossene Proteste im Juni erleben", sagte Kleine. Gerechnet wird mit insgesamt rund 100.000 Teilnehmern, allein für die Camps haben sich bereits bis zu 20.000 Demonstranten angemeldet. (tso/ddp)

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