G-8-Milliardenprogramm : Hoffnung für Afrikas Aids-Kranke

Die G8-Staats- und Regierungschefs haben sich auf ein neues Hilfsprogramm in Milliardenhöhe zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose in Afrika geeinigt.

Aids-Weise
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HeiligendammDie G8-Staaten wollen 60 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose bereitstellen. In einer Gipfelerklärung bekräftigten die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) in Heiligendamm ferner, dass sie "fest entschlossen" seien, die vor zwei Jahren im schottischen Gleneagles gegebenen Versprechen zu erfüllen. Damals war eine Verdoppelung der jährlichen Entwicklungshilfe bis 2010 auf dann 50 Milliarden Dollar beschlossen worden. Die Hälfte des Betrages soll den afrikanischen Ländern südlich der Sahara zu Gute kommen. Die G-8-Staaten unterstrichen ihr "starkes Interesse an einem stabilen, demokratischen und prosperierenden Afrika".

Nach einem Treffen mit den Vertretern aus Nigeria, Ghana, Senegal und Algerien sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die G-8-Staaten seien in der Pflicht. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wir werden unsere Verantwortung erfüllen." Bis zum nächsten Gipfel in Japan solle überprüft werden, was bei der Umsetzung der Versprechen erfüllt worden sei. Der Präsident von Ghana, John Kufuor, sagte: "Afrika erwartet, dass die G8 ihre Versprechen einhalten." Die afrikanische Seite sei entschlossen, ihrerseits die Erwartungen zu erfüllen, und wolle zu einer echten Partnerschaft kommen. Entgegen den Erwartungen nahm Ägypten nicht an dem G-8-Gipfel teil, was in Kairo mit den bevorstehenden Wahlen zum Parlament begründet wurde.

Konferenz in Berlin geplant

In der Gipfelerklärung verpflichten sich die G-8-Staaten, den unterfinanzierten Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria wieder aufzufüllen und für eine "langfristige, berechenbare Finanzierung" zu sorgen. Der zusätzliche Bedarf des Fonds wird bis 2010 auf sechs bis acht Milliarden US-Dollar geschätzt. Eine Wiederauffüllungskonferenz wird im September in Berlin stattfinden. In einer Reaktion sprach der Globale Fonds von einer "starken G8-Einigung" und "guten Nachrichten". Die G8-Staaten sicherten ferner zu, ihre Bemühungen zu verstärken, allen Aids-Infizierten Zugang zu Behandlung, Versorgung und Unterstützung zu gewähren. Auch sollten die Gesundheitssysteme gestärkt werden.

Weltweit sterben jährlich mehr als sechs Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit, Tuberkulose und Malaria. Etwa 67 Prozent aller HIV-Infizierten leben in Afrika, von denen mehr als 72 Prozent keinen Zugang zu einer medikamentösen Behandlung hätten. "Besonders Besorgnis erregend" sei der Anstieg der Infektionen bei Frauen und Mädchen, stellen die G-8-Staaten fest. Deswegen solle den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dafür müssten "angemessene Mittel" bereitgestellt werden. Leistungen zur Verhütung einer Übertragung von der Mutter auf das Kind sollen ebenfalls ausgeweitet werden, beschlossen die G8.

"Verstärkte Risiken"

Bei der Bekräftigung der Ziele für die Entwicklungshilfe insgesamt betonten die G-8-Staaten, dass gute Regierungsführung entscheidend für Frieden, Stabilität, nachhaltige Entwicklung und Wachstum seien. "Ohne eine gute Regierungsführung werden alle Reformen nur begrenzt wirksam sein können." In der Gipfelerklärung erkennen die G8-Staaten auch an, dass die Auswirkungen des Klimawandels noch "verstärkte Risiken" für eine nachhaltige Entwicklung darstellen. Hilfsorganisationen hatten zusätzliche Hilfen gefordert, damit sich Entwicklungsländer gegen die Folgen der globalen Erwärmung wie Überschwemmungen, Dürren oder Ernteausfälle wappnen können. (mit dpa)

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