Politik : G8 Gipfel: Schlachtfeld und Insel des Friedens zugleich

Rolf Brockschmidt

Wenn einem zu Okinawa überhaupt etwas einfällt, dann ist es die verheerende Schlacht, die dort am 1. April 1945 begann - die erste auf japanischem Boden und die blutigste des Pazifischen Krieges. Im Kampf der US-amerikanischen gegen die japanischen Truppen kamen mehr als 230 000 Menschen ums Leben. Bis 1972 hielten die Amerikaner Okinawa besetzt und bauten ihre Militärpräsenz auf der Insel 500 Kilometer südwestlich der japanischen Hauptinseln aus. Auch nachdem Japan wieder ein souveräner Staat geworden war, blieben dort rund 25 000 amerikanische Soldaten stationiert.

In Japan haben hochrangige, politische Treffen bisher immer in Tokio stattgefunden. Der kürzlich verstorbene Premier Keizo Obuchi hatte jedoch Okinawa gewählt, um auch die Vielfalt der japanischen Kultur und die Nähe zu den asiatischen Nachbarn hervorzuheben. Es ist ein tragischer Zug der Geschichte, dass gerade Okinawa durch den Zweiten Weltkrieg ein militärisches Image bekommen hat. Denn eigentlich ist die Kultur der Stadt traditionell pazifistisch. Auf diesen Inseln existierte seit dem 15. Jahrhundert das Ryuku-Königreich, das beeinflusst von China, Korea und Indochina, eine eigene Kultur entwickelte und bis 1879 bestand. Erst dann wurde es als Präfektur Okinawa Teil Japans.

Die japanischen Shogune hatten im 17. Jahrhundert die Oberhoheit über das Ryuku-Königreich errungen und sogar dem Adel das Tragen von Waffen verboten. Gleichzeitig blieben aber die besonderen Beziehungen zu China bestehen. Die ganze Kultur und Politik des Inselreiches war über Jahrhunderte auf Handel und friedliche Koexistenz mit den asiatischen Nachbarstaaten ausgerichtet. So gesehen könnte der Gipfel von Okinawa an eine vergessene Tradtion anknüpfen.

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