Politik : Gab Sauerland Tipps an Baukonzern? Millionenschaden bei Bau des NRW-Landesarchivs

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Der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland gerät im Zusammenhang mit einem millionenschweren Immobiliengeschäft unter Druck. Nach Unterlagen, die dem Tagesspiegel vorliegen, besteht der Verdacht, er könnte einem privaten Immobilieninvestor im Januar 2007 vertrauliche Informationen über den künftigen Standort des nordrhein-westfälischen Landesarchivs gegeben haben. Für das Land wurde das Projekt wegen eines völlig überteuerten Grundstückskaufs um mehr als 20 Millionen Euro teurer als geplant. Die Wuppertaler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen Korruption. Sauerland, der damit rechnen muss, demnächst als Beschuldigter geführt zu werden, war zu keiner Stellungnahme bereit.

Anfang 2007 prüfte die schwarz-gelbe Landesregierung verschiedene Standorte für das künftige Landesarchiv. Am 31. Januar fasste eine vertrauliche Runde in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) offenbar den Beschluss, das Archiv im Duisburger Binnenhafen anzusiedeln. Teilnehmer waren laut Protokoll auch der Kultur-Staatssekretär Hans Heinrich Grosse Brockhoff (CDU), Sauerland und der Chef der Landesbaubehörde. Sie wollten den Bau so kostengünstig wie möglich vorantreiben: Mit dem Verkäufer des Grundstücks hatte man sich schon im Vorfeld auf einen Kaufpreis von zwei Millionen Euro verständigt, am 2. Februar sollte das Geschäft vor einem Notar besiegelt werden. Doch dazu kam es nicht, weil ein Essener Immobilienentwickler schneller war: Die Kölbl Kruse Gruppe überzeugte den privaten Verkäufer, ihr das Grundstück für 3,75 Millionen zu verkaufen. In einem dem Tagesspiegel vorliegenden Schreiben an den Verkäufer zitiert Kölbl Kruse ausdrücklich einen Tipp des Oberbürgermeisters: „Herr Sauerland selbst riet uns zu einem kurzfristigen Notartermin.“ Kölbl Kruse verkaufte das Grundstück für 21,6 Millionen Euro an das Land, das andernfalls das Archiv nicht in Duisburg hätte bauen können. Zusätzlich sollen Entschädigungskosten angefallen sein; die Ankaufsumme liegt inzwischen bei fast 30 Millionen Euro, die Gesamtkosten für das Projekt haben sich auf 160 Millionen Euro verdoppelt.

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