Politik : Gabriel sieht Tourismus in Alpen durch Erderwärmung gefährdet

Fürth/Berlin - Als Folge der Klimaerwärmung wird aktuellen Prognosen zufolge die Schneefallgrenze in den Alpen auf 1 500 Meter steigen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärte auf der Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins am Samstag in Fürth, dies habe Auswirkungen auf den Tourismus in wichtigen Ferienregionen. „Schon bei einer Erwärmung um nur ein Grad Celsius wird es zu einer Abnahme der schneesicheren Skigebiete in Deutschland um 60 Prozent kommen.“ Der SPD-Politiker erklärte, wer den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase verringern wolle, müsse jetzt handeln. Er mahnte einen besonneneren Umgang mit Fernreisen an. Ein Verzicht auf unnötige Fernreisen sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Um Flugreisen teurer und damit weniger attraktiv zu machen, plädierte Gabriel erneut für die Einführung einer Kerosinsteuer. „Wir müssen dafür sorgen, dass es nicht kostenlos ist, Treibhausgase auszustoßen“, sagte er. Eine Kerosinbesteuerung sei vor allem deshalb nötig, weil der Flugverkehr in den kommenden Jahren rasant zunehmen werde. „Dadurch wird ein Viertel aller unserer Klimaschutzbemühungen zunichte gemacht werden“, warnte er. Ohnehin sei es den Menschen nur schwer vermittelbar, wieso der Flugverkehr gar nicht, der umweltfreundliche Bahnverkehr jedoch voll besteuert werde. Gabriel begrüßte den Vorstoß der Europäischen Union, bis 2012 den Flugverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen.

Unterdessen wurde eine Studie bekannt, wonach die Umsetzung der Klimaschutzziele das Bruttoinlandsprodukt der EU-Staaten zwischen 2013 bis 2020 um 560 Milliarden Euro reduziert. Die Untersuchung von GWS/Prognos wurde von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Auftrag gegeben und liegt der „Welt am Sonntag“ vor. Die EU hatte beschlossen, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Ungewohnt scharf griff der tschechische Präsident Vaclav Klaus Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Klimapolitik an. In einem Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ rückte Klaus die Kanzlerin in die Nähe von Utopisten und warf ihr vor, ähnlich wie in der Planwirtschaft falsche 50-Jahres-Pläne zu verfolgen. „Die unfaire und irrationale Debatte über die globale Erwärmung ärgert mich. Das Thema entwickelt sich mehr und mehr zum grundsätzlichen ideologischen Konflikt unserer Gegenwart“, kritisierte Klaus.

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