Gabriels Taktik : Schneller Brüter

Der SPD-Chef wirft Merkel vor, zu zaudern, weil sie dafür ist, den Briten mehr Zeit zu geben nach dem Brexit. Das ist politisch unklug. Ein Kommentar.

von
Sigmar Gabriel.
Sigmar Gabriel.Foto: dpa

Sigmar Gabriel war wieder einmal besonders flink: Kaum hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montagmittag die Weigerung der Kanzlerin erläutert, die Briten mit harten Worten zum schnellen Brexit zu drängen, holte der Vizekanzler zum Gegenschlag aus. Fix meldete er sich bei der Deutschen Presse-Agentur und machte Druck, nicht auf die Briten, sondern auf Merkel. „Klarheit statt Taktiererei, entschlossenes Handeln statt Zaudern“, verlangte der SPD-Chef und fällte so ein vernichtendes Urteil über das Agieren der Regierungschefin in der Brexit-Krise.

Nichts als Kraftmeierei

Das Sachargument hinter dem Vorstoß lässt sich noch nachvollziehen: Gabriel fürchtet, dass jede Verzögerung des Brexits die Unsicherheit und den wirtschaftlichen Schaden vergrößert. Nur unterschlägt seine Drohrede, dass die EU über gar keinen Hebel verfügt, um die Briten schnell zur Umsetzung des Referendums zu zwingen. Auch wüste Worte werden den Prozess kaum beschleunigen. Gabriels Attacke gegen Merkel ist deshalb Wahlkampf und Kraftmeierei in einem. Was hilft es, in der Krise zu beweisen, dass auch die Bundesregierung streitet? Es ist nicht sehr klug, politische Grundregeln über Bord zu werfen, weil die Briten das Undenkbare getan haben.

Video
Merkel: Brexit ist ein 'Einschnitt für Europa'
Merkel: Brexit ist ein 'Einschnitt für Europa'

Autor

29 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben