Gaddafi schickt Kampfflugzeuge : Luftangriffe in libyscher Stadt Al-Brega

Libyen steht am Rande eines Bürgerkriegs. Gaddafi gibt nicht auf und schickt Kampfflugzeuge gegen die Rebellen. US-Außenministerin Clinton warnt vor einem "gigantischen Somalia". Die Nato will für alle Fälle gerüstet sein.

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi (hier während einer Feier zum "34. Jahrestag der Herrschaft des Volkes" in Tripolis) setzt wieder Kampfflugzeuge gegen sein Volk ein.
Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi (hier während einer Feier zum "34. Jahrestag der Herrschaft des Volkes" in Tripolis)...Foto: dpa

Nach der Niederlage seiner Truppen in der Stadt Al-Brega hat der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi am Donnerstag Kampfflugzeuge in das Rebellengebiet geschickt. Ein Polizeikommandeur in Bengasi, der inoffiziellen Hauptstadt des "befreiten Ost-Libyens", sagte der Nachrichtenagentur dpa, Gaddafis Truppen hätten mehrere Ziele in Al-Brega bombardiert. Noch am Donnerstag wollte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag offiziellen Ermittlungen gegen Gaddafi wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufnehmen.

Die Aufständischen im Osten Libyens hatten am Mittwoch nach eigenen Angaben eine Offensive der Gaddafi-Truppen in den Städten Al-Brega und Adschdabija gestoppt. Dabei seien ihnen mehrere Soldaten und Söldner sowie 45 Militärfahrzeuge in die Hände gefallen. In der weiter östlichen gelegenen Stadt Tobruk habe sich eine Einheit der Marine den Aufständischen angeschlossen, meldete der Nachrichtensender Al-Arabija. Nach Informationen des TV-Senders Al-Dschasira wird inzwischen auch die südliche Oasenstadt Al-Kufra
von den Aufständischen kontrolliert.

Unterdessen macht die Organisation der Rebellen im Osten Fortschritte. Die libysche Exil-Opposition teilte mit, in der Stadt Bengasi sei eine neue Brigade namens „Brigade 17. Februar“ gegründet worden. Die Übergangsregierung in Bengasi erklärte, der Transport weiterer ausländischer Söldner nach Libyen müsse unbedingt unterbunden werden. Dafür seien auch Luftangriffe ausländischer Armeen gerechtfertigt. „Dies wäre keine ausländische Militärintervention auf libyschem Boden“, betonte ein Sprecher des Gremiums.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis blieb es am Donnerstag ruhig. Nach Angaben von Augenzeugen hatten zahlreiche Banken und Geschäfte geöffnet. Das Gaddafi-Regime hatte bereits vor einigen Tagen die Parole ausgegeben: „Alles muss so normal wie möglich aussehen.“

US-Außenministerin Hillary Clinton befürchtet angesichts der blutigen Unruhen in Libyen Verhältnisse wie im krisengeschüttelten Somalia. Am Mittwoch (Ortszeit) wies sie darauf hin, dass zahlreiche Kämpfer des Terrornetzes Al-Kaida in Afghanistan und im Irak aus dem
nordafrikanischen Land stammten. „Eine unserer größten Sorgen ist, dass Libyen im Chaos versinkt und zu einem gigantischen Somalia wird“, erklärte die Ministerin. Viele der Al-Kaida-Kämpfer stammten aus dem Osten Libyens, der Hochburg der Opposition.

Die Nato will „für jeden Eventualfall“ in Libyen gerüstet sein. Dies sagte eine Sprecherin des Bündnisses am Donnerstag in Brüssel auf die Frage, ob die Nato eine Flugverbotszone in Libyen vorbereite. Alle 28 Nato-Regierungen hätten bei einem Treffen des Nato-Rates am Mittwoch unter Vorsitz von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen „große Sorge über die anhaltende Gewalt und die ernste humanitäre Lage in Libyen gezeigt“.

Der Chefankläger des Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, teilte am Mittwoch in Den Haag mit: „Der nächste Schritt für den Staatsanwalt wird darin bestehen, seinen Fall den Richtern des IStGH zu präsentieren, die dann entscheiden, ob auf der Basis des Beweismaterial Haftbefehle ausgestellt werden“.

Deutschland will sich mit drei Schiffen der Bundeswehr an einer Hilfsaktion für ägyptische Flüchtlinge aus Libyen beteiligen. Nach jüngsten UN-Schätzungen sind mehr als 150 000 Menschen auf der Flucht. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte die Konfliktparteien in Libyen auf, humanitäre Helfer und Hilfsgüter in die umkämpften Gebiete des Landes zu lassen.(dpa)

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