Politik : Gaddafis Sohn gegen Entschädigung

London - Im Streit um Entschädigungen für Opfer der nordirischen Terrororganisation IRA bleibt Libyen hart. Die Forderungen seien Sache der Gerichte, sagte der Sohn von Revolutionsführer Muammar al Gaddafi, Saif al Islam, am Montag in einem Interview des britischen TV- Senders „Sky News“. Er dämpfte damit Hoffnungen, dass Libyen nach der Freilassung des Lockerbie-Attentäters auf die Hinterbliebenen der Terroropfer zugehen könnte.

Nach der Begnadigung von Abdel Bassit Ali Mohammed al Megrahi hatten Angehörige von IRA-Opfern ihren Ruf nach Entschädigungen von Libyen erneuert. Während des Konflikts in Nordirland hatte Libyen die ehemalige Terrororganisation IRA offensichtlich mit Waffen und Sprengstoff versorgt. „Sie haben ihre Anwälte, wir haben unsere“, sagte Gaddafi mit Blick auf die Vertreter der Opfer. Gaddafi stellte zudem klar, dass der britische Premierminister Gordon Brown bei den Gesprächen über die vorzeitige Freilassung des todkranken Attentäters nicht beteiligt war. „So etwas sollte nicht auf der Führungsebene diskutiert werden.“

Premierminister Brown hatte am Sonntagabend angekündigt, dass die Regierung die IRA-Opfer und deren Anwälte im Kampf um Entschädigungszahlungen unterstützen wolle. Dazu werde ein Team von Spezialisten des Außenministeriums zusammengestellt, das die Angehörigen der Opfer bei Verhandlungen mit den libyschen Behörden unterstützen werde. In der Vergangenheit hatte sich die Regierung beim Ringen um Entschädigung zurückgehalten. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass Brown Staatschef Gaddafi nicht zu Zahlungen drängen wollte. Dies sei nicht angebracht, da die Beziehungen zu Libyen im Anti-Terror-Kampf wichtig seien, hieß es in einem Brief Browns an einen Opferanwalt, den das Büro des Premierministers am Sonntag veröffentlicht hatte. dpa

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