Gammelfleisch-Skandal : Seehofer kritisiert Kontrollen

Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat schwere Vorwürfe gegen die bayerischen Lebensmittelkontrollen erhoben. "Die Kontrolle ist nicht auf der Höhe der Zeit", sagte Seehofer. Indes muss der Minister Kritik von Vorgängerin Künast einstecken.

Berlin - Bei einer Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum jüngsten Gammelfleischskandal äußerte Horst Seehofer (CSU) Kritik an den Lebensmittelkontrollen. Das Kühlhaus bei München sei seit Juli acht Mal kontrolliert worden. "Es kann nicht sein, dass dort vier Jahre lang Fleisch vergammelt im Kühlhaus hängt. Da ist etwas mit den Kontrollen nicht in Ordnung", sagte Seehofer. Der Minister nannte es erschreckend, dass Etikettenschwindel hier "in einfacher Weise möglich" gewesen sei. Die ermittelnde Polizeibehörde habe erklärt, der Schwindel sei "relativ einfach zu erkennen" gewesen.

Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) forderte in der Ausschusssitzung den Bund auf, "einen Beitrag zu leisten, dass die Kontrollen auch optimal durchgeführt werden können". Er regte an, Waren mit Strichcodes zu versehen, um Kontrolleuren die Arbeit zu erleichtern.

Kritik an Ergebnissen der Verbraucherschutzminister

Grünen-Fraktions-Chefin Renate Künast hält die Ergebnisse der Sondersitzung der Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern zum Thema Gammelfleisch für ungenügend. Einheitliche Qualitätsstandards bei der Lebensmittelkontrolle seien natürlich richtig, sagte Künast am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt würden aber erst einmal "alle Referenten zwei Jahre damit beschäftigt". Konkret gebe es nichts. "Das, was da war, ist für mich Verbrauchertäuschung in Tateinheit mit Arbeitsverweigerung", sagte Künast. Zum Beispiel müsste jetzt klar gesagt werden, dass ab sofort mehr Kontrolleure eingestellt werden, forderte sie. "Die Anzahl der Lebensmittelkontrolleure und Veterinäre darf nie im Leben eine Sparbüchse sein", fügte die frühere Bundesverbraucherschutzministerin hinzu.

Fleischerverband begrüßt einheitliche Kontrollstandards

Der Deutsche Fleischerverband begrüßt die Einigung von Bund und Ländern zur Schaffung einheitlicher Standards bei der Lebensmittelkontrolle. Verbandspräsident Manfred Rycken sagte am Freitag im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf den aktuellen Gammelfleischskandal, es sei ein Vorteil, wenn in ganz Deutschland mit gleicher Latte gemessen werde. Er hoffe nach den Beschlüssen vom Donnerstag auf eine "gewisse Zentralisierung". Mit dem bestehenden System der uneinheitlichen Länderkontrollen könnten die Wege von Fleisch und anderen Lebensmitteln nicht verfolgt werden.

Rycken plädierte dafür, die Namen der Verursacher von Lebensmittelskandalen zu nennen, wenn Beweise vorlägen. "Wenn wirklich schwarze Schafe ausgemacht sind - sowohl auf Verkäuferseite als auch auf abnehmender Seite - dann sollten sie veröffentlicht werden", betonte er. Der Verbandschef warnte aber davor, Namen zu nennen, so lange die Sachlage nicht eindeutig sei. Zugleich zeigte er sich besorgt, dass der Gammelfleischskandal negative Auswirkungen auf den Fleischabsatz beim Fleischerhandwerk haben könnte.

(tso/ddp)

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