Politik : Ganz oben – im Lande

Roland Koch fährt durch Hessen. Seine Sommerreise ist vor allem Wahlkampftour: Im Februar wird in Wiesbaden gewählt

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Von Christoph Schmidt Lunau

Als „höchster Hesse auf dem höchsten Berg des Landes“ wird Roland Koch auf der Wasserkuppe begrüßt. Diesen „Höhepunkt“ seiner Sommerreise durchs Land sieht der Ministerpräsident als Symbol: Seine Regierung sei dabei, das Bundesland an die Spitze zu führen. Den Segelfliegern verspricht er zum Abschied wiederzukommen, vorausgesetzt, sie setzten sich für seine Vertragsverlängerung ein. Am 2. Februar nämlich, wenige Monate nach der Bundestagswahl, wird in Hessen gewählt. Sollte Roland Koch als erstem CDU-Politiker im rot-grünen Traditionsland die Wiederwahl gelingen, würde er seinen persönlichen Zielen deutlich näher rücken, jenen ganz oben, in Berlin.

Für die Fotografen zwängt sich der CDU-Landeschef in die Pilotenkanzel eines Segelflugzeugs. Einen Start des Überfliegers sieht das Reiseprogramm diesmal nicht vor, nicht nur wegen der Nebelschwaden. „Ich behalte die Füße lieber am Boden“, sagt Koch mit Hintersinn, „ich bleibe im Land, einen Wechsel nach Berlin schließe ich aus!“ „Wenn Angela Merkel die Bundestagswahl gewonnen hätte, wäre das für Sie sicher schlechter, als wenn es jetzt der viel ältere Stoiber schafft?“ , spekuliert ein Reporter. „Um ihrer Pirouette zu folgen, muss man den ersten Salto mit schlagen“, antwortet Koch: Er hatte Stoiber der besseren Chancen wegen zur Kandidatur gedrängt und sieht sich jetzt bestätigt. Man möge seine Bemerkung allerdings nicht als Kritik an der Parteivorsitzenden werten, setzt er nach.

Vier Tage lang war Koch jetzt in eigener Sache unterwegs. In Neu-Isenburg trifft er Senioren, die Jugendliche bei der Berufswahl unterstützen und während der Ausbildungszeit begleiten. Im Gespräch mit den Ehrenamtlichen blüht Koch auf. Er fragt nach den Defiziten der Schulabsolventen, nach dem fehlenden Engagement von Eltern und Lehrern, sucht nach Konzepten gegen Jugendarbeitslosigkeit. Der Unterrichtsausfall in den Schulen war das landespolitische Thema des letzten Landtagswahlkampfs gewesen. In diesen Tagen plakatiert die Hessenunion Vollzug: „Unterrichtsgarantie erfüllt!“ 2900 Lehrer zusätzlich, mehr Geld für Bildung und Wissenschaft, trotz leerer Kassen – mit dieser Bilanz wollen Koch und die mit ihm verbündete FDP siegen.

Gewinnt die Union jedoch im Bund, könnte es in Hessen knapp werden. Koch hofft, dass die Seinen nicht vergessen haben, wie sehr ihm selbst „Schröders desaströse Hundert-Tage-Bilanz“ geholfen habe. Weder Bundestags- noch Landtagswahl seien für die Union gewonnen, auch wenn Rot-Grün das Land erkennbar zum Sanierungsfall gemacht hätten. Selbst eine unionsgeführte Bundesregierung werde die Maastricht-Stabilitätsziele nicht mehr einhalten können, so Kochs düstere Prognose.

Koch hatte vor zwei Jahren einen falschen Rechenschaftsbericht abgegeben und in der CDU-Finanzaffäre die Unwahrheit gesagt. An diese „ollen Kamellen“ (CDU-Lesart) wird die Opposition in den nächsten Monaten erinnern. Als Wahlkampfreferent der Hessen-Union mit ihm unterwegs: Helmut Hehn. Ihn hatte Koch vor zwei Jahren spektakulär vom Amt entbunden, als bekannt wurde, dass er Ferrero-Schwarzgeld durch fingierte Spendenbescheinigungen und Rechnungen zu waschen versucht hatte.

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