Gaschke-Nachfolger : Feuerspucker Kämpfer wird Kiels neuer Oberbürgermeister

Kiels neuer Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) fällt als Politiker ein ganzes Stück weit aus dem Rahmen. Der 41-Jährige setzte sich am Sonntagabend gegen CDU-Kandidat Stefan Kruber und Detlef Hackethal von der Linken durch.

Ulf Kämpfer (SPD) wurde am Sonntag zu Kiels neuem Oberbürgermeister gewählt.
Ulf Kämpfer (SPD) wurde am Sonntag zu Kiels neuem Oberbürgermeister gewählt.Foto: dpa

Der Sozialdemokrat Ulf Kämpfer hat weder Auto noch Fernseher, wohnt in einer Ökosiedlung und hält als Umwelt-Staatssekretär einem Grünen-Minister den Rücken frei. Auf Hochzeiten von Freunden gibt er schon mal den Feuerspucker. Bei der Kieler Oberbürgermeister-Wahl setzte sich der 41-Jährige am Sonntagabend gegen CDU-Kandidat Stefan Kruber und Detlef Hackethal (Linke) durch.

Kiels neuer Verwaltungschef Kämpfer sieht sich als „pragmatischen Idealisten“. Von außen betrachtet mag der gebürtige Eutiner zurückhaltend wirken. Als Staatssekretär hat der Jurist aber bereits bewiesen, dass er nicht nur moderieren, sondern auch Entscheidungen treffen kann. „Ich bin eher der sanfte Krieger“, sagt der Vater eines Sohnes. Mitarbeiter bescheinigen ihm die Fähigkeit, sich in kurzer Zeit in Themen einzuarbeiten.

Kämpfer studierte in Göttingen und Irland Rechtswissenschaften und Philosophie. Er promovierte im Fach Jura über das Thema Sterbehilfe. Von 2004 bis 2008 arbeitete er in Kiel in den Ministerien für Umwelt und Justiz, bevor er 2010 als Richter ans Kieler Amtsgericht ging.

Kämpfer wird Nachfolger von Susanne Gaschke

Als Familienrichter war es auch seine Aufgabe zu vermitteln. Dort habe er gelernt, allen Seiten zuzuhören und erst dann Entscheidungen zu treffen, sagt er. Der Familienvater ist zwar seit knapp 20 Jahren SPD-Mitglied, bisher aber nicht als ausgewiesener Parteipolitiker hervorgetreten. Er gilt als fachlich kompetent, konsequent, aber auch als kompromissfähig. Kämpfer ist eher der ruhige Typ, dennoch schlagfertig und witzig.

„Ich bin schon ein Rot-Grüner“, sagt Kämpfer, der in seiner Freizeit gerne jongliert. Künftig muss er mit einer Kooperation aus SPD, Grünen und SSW in der Ratsfraktion zusammenarbeiten. Dass er nicht über langjährige Erfahrungen in der Lokalpolitik verfügt, sieht er nach dem „Schlamassel der Vergangenheit“ rund um den umstrittenen Steuerdeal der ehemaligen Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) sogar eher als Vorteil an.

Kämpfer will dazu beitragen, dass das politische Klima wieder etwas weniger rau wird. Er wolle die attraktiven Seiten Kiels stärken und denen helfen, die das bitter nötig haben. Die Stadt habe noch viel Potenzial, das genutzt werden müsse, sagt er. (dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben