Politik : Gasprom will Stadtwerke kaufen

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Berlin - Nach dem Einstieg von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) bei dem umstrittenen Pipelineprojekt in der Ostsee geht der russische Gaskonzern Gasprom in Deutschland auf Einkaufstour. Bestehende Beteiligungen sollen ausgebaut und weitere Unternehmen hinzugekauft werden. „Wir wollen nicht nur als Lieferant von Erdgas fungieren, sondern näher an die Verbraucher herankommen.“, sagte der Deutschland-Chef von Gasprom, Hans-Joachim Gornig, dem Tagesspiegel. So sollen in Zukunft auch deutsche Stadtwerke zum Besitz des russischen Staatskonzerns gehören.

Derzeit halten die Russen vor allem Anteile an den Ferngasgesellschaften Wingas und VNG. Nun versucht der Staatskonzern offenbar, die gesamte Wertschöpfungskette von der Gasquelle bis zum Endkunden abzugreifen. Als Türöffner bei diesen Plänen könnte Altkanzler Schröder dienen, der auf Vorschlag von Gasprom Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft NEGPC der Ostseepipeline werden soll. Innenpolitisch könnte dies neuen Wirbel auslösen. An diesem Donnerstag wird sich der Bundestag mit Schröders Engagement für die Ostseepipeline beschäftigen. An der Gasleitung, die Russland direkt mit Deutschland verbinden soll, hält Gasprom 51 Prozent.

Zu Schröders Vergütung sagte Gornig, dass vergleichbare Aufsichtsratsvorsitzende rund 6500 Euro verdienten. Allerdings müsse dies für die Pipelinegesellschaft kein Maßstab sein. „Die russische Gasindustrie orientiert sich bei ihren Gehältern verstärkt an weltweiten Konkurrenten, zum Beispiel in den USA“, sagte Gornig. Dort werden deutlich höhere Gehälter bezahlt.

Ob Schröder neben Kontrollfunktionen auch operativ tätig werde, stehe noch nicht fest. Gornig betonte aber, dass das Schweizer Gesellschaftsrecht, das für die Ostseepipeline gilt, dies ausdrücklich ermögliche. Nach Angaben der beiden deutschen Konzerne Eon und BASF, die mit insgesamt 49 Prozent an dem NEGPC-Konsortium beteiligt sind, soll Schröder jedoch keine operativen Führungsaufgaben übernehmen. awm

Seiten 2, 4 und 15

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