Politik : Gastarbeiter in Misrata eingeschlossen Tausende Ausländer wollen Stadt verlassen

Bengasi/Tripolis - In der schwer umkämpften libyschen Stadt Misrata sitzen immer noch rund 3500 ausländische Arbeiter fest, die meisten aus afrikanischen Ländern. Dies erklärte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Montag in Bengasi, der Metropole der Regimegegner im Osten Libyens. Die Gestrandeten warteten im Hafen von Misrata verzweifelt auf eine Möglichkeit, per Schiff nach Bengasi zu kommen, fügte er hinzu. Der Londoner Entwicklungshilfeminister Andrew Mitchell kündigte am Montag bei einem Besuch bei den Vereinten Nationen in New York an, dass Großbritannien rund 5000 Gastarbeitern aus Misrata heraushelfen wolle. Großbritannien werde zudem wichtige medizinische Hilfe finanzieren, die vom International Medical Corps (IMC) für Zivilisten in Libyen angeboten wird. Unter anderem sollen Traumaexperten und Ärzteteams geschickt werden, außerdem Medikamente und medizinische Ausrüstung.

Misrata wurde auch am Montag von den Truppen des Regimes von Muammar al Gaddafi beschossen. Die IOM hat nach Angaben des Sprechers der Organisation bisher schon mehrere Schiffsreisen zur Rettung ausländischer Arbeiter aus Misrata organisiert. Doch es könnten mit einem Schiff nur 900 Menschen transportiert werden. Die Organisation benötige größere Schiffe, für deren Anmietung aber das Geld fehle, sagte der Sprecher.

Neben der nun seit sieben Wochen umkämpften Küstenstadt Misrata nahmen Gaddafis Truppen auch Adschdabija wieder ins Visier. „Die Lage ist nicht sehr gut“, sagte ein 25-jähriger Aufständischer. „Wir wollen Waffen, moderne Waffen“, forderte ein 21-jähriger Mitstreiter. „Wenn wir die hätten, dann könnten wir gegen (die Gaddafi-Truppen) vorrücken.“ Einen Monat nach Erteilung des UN-Mandats zum Schutz von Zivilisten haben die Aufständischen aber bislang dauerhaft keinen Boden im Kampf gegen Gaddafi gutmachen können.

Die libysche Regierung hat sich nach UN-Angaben zur Schaffung eines humanitären Korridors für Helfer der Vereinten Nationen bereiterklärt. Der UN-Sprecher Farhan Haq sagte am Montag in New York, dies sei Teil einer Vereinbarung über humanitäre Hilfe, den die UN-Vizegeneralsekretärin für humanitäre Angelegenheiten, Valerie Amos, am Sonntag mit Regierungsvertretern in Tripolis erzielt habe. Laut Haq erklärte sich die libysche Regierung einverstanden, dass die Vereinten Nationen in der Hauptstadt Tripolis einen Stützpunkt für humanitäre Hilfe einrichten. Auch sollen Helfer nach UN-Angaben Zugang zur Stadt Misrata erhalten. dpa/rtr/AFP

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben