Politik : Gauck stellt sich vor

Bis zum 18. März macht der Kandidat noch eine kleine Tournee – am Montag begann sie bei der CDU.

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Szenen einer Ehre. Endlich akzeptiert auch Angela Merkel den Kandidaten Joachim Gauck. Woraufhin dieser nach dem Treffen mit der Kanzlerin fröhlich bekannte, dass für ihn „nun die Sonne scheint“. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
Szenen einer Ehre. Endlich akzeptiert auch Angela Merkel den Kandidaten Joachim Gauck. Woraufhin dieser nach dem Treffen mit der...Foto: REUTERS

Berlin - Dass er in der CDU-Zentrale so freundlich aufgenommen wird, damit hatte Joachim Gauck wohl nicht gerechnet. „Überraschend offen“ sei das Treffen mit Angela Merkel und den Mitgliedern des CDU-Vorstandes gewesen, sagt Gauck hinterher. Erst hatte ihn Merkels Generalsekretär Hermann Gröhe unten am Eingang des Konrad-Adenauer-Hauses abgeholt und mit Handschlag begrüßt, dann hat er neben einer freundlichen CDU-Vorsitzenden gesessen und mit den Vorstandsmitgliedern über „Grundfragen“ gesprochen, die in der Gesellschaft zu lösen seien. Ein „richtiges Gespräch“ sei es gewesen, erinnert sich Gauck.

Knapp eine Stunde war der parteiübergreifende Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten am Montagmorgen bei der CDU. Freiheit und Verantwortung wurden thematisiert, aber auch Gaucks Einlassungen zu Finanzmarktkritikern – und seine Lebensverhältnisse. Die der Kandidat, der verheiratet ist und mit seiner langjährigen Lebensgefährtin ins Schloss Belle einziehen will, übrigens als Privatsache betrachtet, und, wie man hört, so bald nicht zu ändern gedenkt. Aber auch das hat ganz offenbar die gute Stimmung in der CDU-Zentrale an diesem Morgen nicht getrübt. Als Gauck schließlich in eine schwarze Limousine stieg und in Richtung Willy-Brandt-Haus, der SPD-Zentrale, abfuhr, war klar: „Die letzten Zweifel sind jetzt ausgeräumt“, wie ein Sitzungsteilnehmer sagte.

Nun ist Joachim Gauck auch Angela Merkels Kandidat. Weshalb für ihn, sagte Gauck später etwas schalkhaft, „nun die Sonne scheint“. Vergessen scheinen die Tage im Frühsommer 2010, als die CDU ihm den niedersächsischen Ministerpräsident Christian Wulff vorgezogen hat. Damals haben zwar auch nicht wenige CDU-Spitzenleute ihre Sympathien mit dem Bürgerrechtler und Freiheitskämpfer Joachim Gauck bekundet. Doch offen ausgesprochen haben es nur wenige.

Nun sollen diese Zeiten jedoch vergessen sein. Noch drei Wochen, dann tritt am 18. März im Reichstagsgebäude erneut die Bundesversammlung zusammen. Mehr als 1200 Gesandte – Mitglieder des Bundestags und von den Landesparlamenten Gewählte – werden dann den elften Bundespräsidenten der Republik wählen. Dass dieser Joachim Gauck heißen wird, daran gibt es bis dato keinen Zweifel. Zu groß ist die Mehrheit der Unterstützer aus allen politischen Lagern, als dass die Wahl des Kandidaten schief- gehen könnte. Lediglich mit Stimmen der Linken kann Gauck nicht rechnen.

Dennoch will sich Gauck seinen Wählern in den verbleibenden Tagen noch einmal direkt vorstellen. Um Missverständnisse und „Irritationen“ auszuräumen, wie etwa frühere Einlassungen über den Ex-Finanzsenator von Berlin, Thilo Sarrazin. Und wohl auch, um Befürchtungen entgegenzutreten, er werde ausschließlich ein Präsident der Freiheit sein und die Gerechtigkeit nicht so ernst nehmen. Gaucks Vorstellungsrunde wird ihn an diesem Dienstag zu den Bundestagsfraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen führen. Auch mit der Linkspartei will er noch sprechen – wenn die ihn darum offiziell bittet. Für kommenden Montag hat ihn auch die FDP-Führung eingeladen. Und weil die Zeit kurz ist bis zum 18. März, will Gauck danach nur in zwei von 16 Bundesländern reisen, damit ihn dort die Wahlmänner und -frauen kennenlernen. Geplant ist ein Besuch im Osten – in Mecklenburg-Vorpommern, wo Gauck, der aus Rostock stammt, die Wahlberechtigten seiner Heimat besuchen will – und ein Besuch im Westen, in Baden-Württemberg, wo seit den Protesten gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ die deutschlandweit bekanntesten „Protestbürger“ zu Hause sind.

Auch mit der SPD-Führung, die Gauck am Montag besucht hat, muss es harmonische Gespräche gegeben haben. Nach dem Treffen sagte Generalsekretärin Andrea Nahles, alle hätten den Eindruck gehabt, Gauck werde als Präsident „dem Amt die Würde und Autorität zurückgeben“, die es verdiene. Der Kandidat habe sich „aufgeräumt und witzig präsentiert“.

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