Gaza-Blockade : Weltweit Aktionen gegen Israel

Überall auf der Welt wurden Friedenslieder gesungen, Plakate in die Höhe gehalten, standen selbst Israelis und Palästinenser Seite an Seite: Am Aktionstag gegen die Blockade des Gazastreifens gingen am Sonnabend allein in London tausende Menschen auf die Straße. Auch in Berlin gab es Protest wegen der Abriegelung Gazas.

von

Sidney/Berlin - Überall auf der Welt wurden Friedenslieder gesungen, Plakate in die Höhe gehalten, standen selbst Israelis und Palästinenser Seite an Seite: Am Aktionstag gegen die Blockade des Gazastreifens gingen am Sonnabend allein in London tausende Menschen auf die Straße, in Istanbul waren es bis zu 10 000 Menschen. Protestkundgebungen gab es auch im australischen Sidney und in Jakarta, Indonesien. In Turin gedachten Demonstranten der bei einem israelischen Angriff auf Schiffe mit Hilfslieferungen Getöteten ebenso wie in der brasilianischen Metropole Sao Paulo.

Auch in Deutschland nahmen Bürger an Aktionen in mehreren Städten teil. In Berlin gab es gleich zwei Kundgebungen: Zu der Demonstration in der West-City am Breitscheidplatz kamen bis zu 700 Menschen, durch Kreuzberg liefen bis zu 1000 Bürger. Beide Demos verliefen friedlich, hieß es bei der Polizei. An der Veranstaltung in Kreuzberg, zu der vor allem linke Gruppierungen aufgerufen hatten, beteiligte sich auch die Linken-Bundestagsabgeordnete Inge Höger, die den Angriff auf die erste Flotille selbst unter Deck miterlebt hat. „Das Schiff, das jetzt aufgebracht wurde, war das letzte unserer Gruppe, es war langsamer als die anderen und hing zuletzt vor Malta zurück“, sagte Höger. Sie initiierte einen Antrag im Bundestag, durch den die Bundesregierung aufgefordert werden soll, sich gegen die Blockade einzusetzen. Es werde dauern, bis sie das Erlebte, die Schüsse, die stundenlang unversorgten Verletzten verkraften werde, sagte sie weiter.

Den Protestmarsch verfolgte auch Ilan Goren, Journalist des zweitgrößten nationalen Fernsehsenders in Israel, Channel 10. Israel sei wohl auch überrascht davon, wie sehr die Geschehnisse in aller Welt verfolgt würden. „Bei der Außenwahrnehmung kennen viele aber nur Schwarz oder Weiß, Feind oder Freund.“ Die israelischstämmige Demonstrantin Shira Wachsmann, 26, Kunststudentin, will zeigen, dass nicht alle so denken. Auch sie hält in Berlin Plakate gegen die Blockade in die Höhe. Ihre Mutter Sara ist gerade zu Besuch aus Tel Aviv. Sie berichtet von Demos auch in Israel. Elsa Rassbach von der internationalen Boykottbewegung „Global BDS Movement“ appellierte an die Bundeswehr, keine Drohnen von Israel für den Einsatz in Afghanistan zu kaufen, zudem sollten Verbraucher etwa keine Aktienfonds von israelischen Rüstungskonzernen halten. Maria Bernhard ist mit Kindern und Mann unterwegs: „Ich laufe aus humanitärer Überzeugung mit“, sagt sie. Und der Oberschüler Mohammad Chennaoui (16), dessen Eltern einst als palästinensische Flüchtlinge nach Deutschland kamen, findet es „total toll, dass solche Veranstaltungen hier in diesem Land erlaubt sind“. Annette Kögel

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

29 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben