Gaza-Konflikt : Hamas-Unterhändler an Grenze mit Millionensumme gestoppt

Der ranghohe Vertreter der radikalislamischen Hamas, Aiman Taha, ist an der Grenze zu Ägypten durchsucht worden. Die Aktion förderte eine erstaunliche Summe Bargeld zu Tage. Die Waffenstillstandsgespräche an denen Taha teilnehmen will, wurden vertagt.

El ArischHamas-Sprecher Aiman Taha sei von Grenzbeamten zu einer Bank geleitet worden, um das Geld dort zu hinterlegen, teilten ägyptische Sicherheitskräfte am Donnerstag mit. In Ägypten wurden die Gespräche über einen Waffenstillstand mit Israel, an denen auch Taha teilnahm, auf Sonntag vertagt.

Taha führte nach ägyptischen Angaben neun Millionen Dollar und zwei Millionen Euro in bar mit sich. Das Geld sei bei der Durchsuchung seines Gepäcks entdeckt worden, die Taha zunächst verweigert hatte. Seit ihrem Sieg bei den Parlamentswahlen im Jahr 2006 wurden bei Vertretern der Hamas an der Grenze zum Gazastreifen wiederholt höhere Geldsummen sichergestellt. Im Dezember 2006 fanden Grenzbeamte bei Regierungschef Ismail Hanija 35 Millionen Dollar, die sie dann der Palästinensischen Autonomiebehörde überwiesen, die von der rivalisierenden Fatah dominiert wird.

Streit um die Zukunft der Konten

Der Zugriff auf Konten der Palästinenser ist einer der großen Streitfragen zwischen Fatah und der international nicht anerkannten Hamas-Regierung. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert erlaubte am Donnerstag die Überweisung von 43,75 Millionen Dollar (34 Millionen Euro) der Autonomiebehörde in den Gazastreifen, damit die Beamten dort bezahlt werden können, wie ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bat die internationale Gemeinschaft unterdessen um weitere Hilfen für die notleidende Bevölkerung im Gazastreifen. Die Welt müsse humanitäre Hilfe leisten, auch wenn es Klagen gebe, dass diese zum Teil gestohlen würde, sagte Abbas nach Gesprächen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Das UN-Flüchtlingswerk in den Palästinensergebieten (UNRWA) hatte am Mittwoch berichtet, dass die Hamas Anfang Februar 3500 Decken und mehr als 400 Pakete konfisziert hatte. Die neue US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner wiederholten in Washington die Forderung, die Grenzen zum Gazastreifen zu öffnen, um die Hilfslieferungen zu beschleunigen.

In Ägypten erfüllten sich die Hoffnungen auf einen Fortschritt der Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern über eine dauerhafte Waffenruhe am Donnerstag nicht. Die sechsköpfige Hamas-Delegation, zu der auch der an der Grenze aufgehaltene Taha angehörte, reiste nach zweistündigen Verhandlungen mit dem Chef des ägyptischen Geheimdienstes, Omar Suleiman, vorzeitig ab. Am Sonntag sollen die Gesprächen fortgesetzt werden. (ae/AFP)

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