Gazastreifen : "Dies ist der Beginn der islamischen Herrschaft"

Die Hamas hat praktisch die Kontrolle im Gazastreifen übernommen. Die Fatah verfügt in der Region nur noch über zwei Hochburgen - einschließlich der Residenz von Präsident Mahmud Abbas.

GazaBei den Kämpfen um die Zentrale des palästinensischen Geheimdienstes in Gaza wurden mindestens 14 Menschen getötet und 80 weitere verletzt. Ein örtlicher Hamas-Führer kündigte zudem die baldige Einnahme der Präsidentenresidenz von Mahmud Abbas (Fatah) in Gaza an. Die Freitagsgebete sollten bereits in dem Gebäude stattfinden, erklärte Nisar Radschan und ein Sprecher deklamierte: "Dies ist der Beginn der islamischen Herrschaft".

Hamas-Kämpfer zwangen Mitglieder der Polizeitruppe, die der Fatah nahe steht, mit nacktem Oberkörper aus dem eingenommenen Gebäude zu kommen. Sie hätten dann dicht über die Köpfe der Gefangenen geschossen, berichteten Augenzeugen. Bei Kämpfen in anderen Teilen des Gazastreifens wurden mindestens zwei weitere Menschen getötet.

Der Hamas-Sprecher Suhri sprach von einer "zweiten Befreiung" des Gazastreifens. Zuerst habe man die israelischen Siedler und nun die "Verräter" vertrieben. Die Hamas-Miliz erklärte über Lautsprecher auf den Straßen, das Gebiet um das Hauptquartier sei nun "sicher" und "gesäubert".

Abbas weist Hamas-Forderungen zurück

Hamas und Fatah hatten sich Kämpfe um das Gebäude geliefert, das bisher eine Machtbasis der von der Fatah kontrollierten Polizei war. Die Hamas hat in den vergangenen Tagen fast den gesamten Gazastreifen eingenommen. Binnen einer Woche sind mehr als 85 Menschen bei den heftigen Gefechten getötet worden. Am Donnerstag kam es nach palästinensischen Angaben auch zu sporadischen Angriffen von Fatah-Anhängern auf Geschäfte und Büros von Hamas-Mitgliedern im Westjordanland. Politische Beobachter befürchten ein Überschwappen der Gewalt auch auf das Westjordanland, wo allerdings die Fatah politisch und militärisch die Oberhand hat.

Palästinenserpräsident Abbas wies unterdessen Bedingungen der Hamas für eine Waffenruhe zurück. Zunächst müsse die Hamas die Angriffe einstellen, forderte Abbas nach Angaben seines Beraters Nemer Hamad. Bei einem Dringlichkeitstreffen mit Repräsentanten der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO beriet Abbas über das weitere Vorgehen. Dabei wurde nach palästinensischen Angaben eine Aufkündigung der großen Koalition mit der Hamas sowie die Ausrufung eines Notstands erwogen. (mit dpa)

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