Gazastreifen : Hamas ruft Palästinenser zu "Tag des Zorns" auf

Im Gazastreifen ist keine Entspannung in Sicht. Die Hamas ruft alle Palästinenser zu einem "Tag des Zorns" am Freitag auf. Israel verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen und verhängte eine Ausgangssperre für das Westjordanland. Hunderte Ausländer verlassen den Gazastreifen.

Haus Nisar Rian
Das zerstörte Haus des Hamas-Führers Nisar Rian. -Foto: AFP

Gaza/Tel Aviv Die radikalislamische Hamas hat alle Palästinenser zu Massenprotesten nach dem traditionellen Freitagsgebet aufgerufen. Die Palästinenser sollten an einem "Tag des Zorns" gegen die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen sowie die israelische Besatzung demonstrieren, heißt es in einer Erklärung der Hamas vom Freitag. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wurde mit palästinensischen Protesten gegen Israel gerechnet. Die israelische Polizei mobilisierte deshalb tausende Sicherheitskräfte. Im Westjordanland gilt seit Mitternacht für 48 Stunden eine Ausgangssperre sowie ein Einreiseverbot.

Zuvor hatte die Hamas-Führung bereits ihren militärischen Flügel aufgefordert, Vergeltung für den Tod des Top-Hamas-Führers Nisar Rian zu üben. Israelische Ziele sollen überall angegriffen werden, heißt es in einer Erklärung.

Rian sowie dessen vier Frauen und elf Kinder waren nach palästinensischen Angaben am Donnerstag bei einem israelischen Raketenangriff getötet worden. Eine Armeesprecherin bestritt am Freitag Berichte, wonach die Armee zu einer Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern zurückgekehrt sei. Nach Darstellung der Sprecherin waren die Bewohner des Hauses vor dem Angriff telefonisch gewarnt worden. Israel hatte nach einer Welle von palästinensischen Selbstmordanschlägen im Frühjahr 2004 die beiden Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin sowie Abdelasis al-Rantisi mit gezielten Angriffen getötet.

Israel greift Hauptquartier des militanten Flügels der Hamas an

Angesichts einer möglichen israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen verließen am Freitag Hunderte Ausländer das Palästinensergebiet. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, dass der Kontrollpunkt Eres kurzzeitig geöffnet worden sei, um Ausländern die Ausreise zu ermöglichen. Das israelische Verteidigungsministerium teilte mit, dass rund 400 Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft ausreisen dürften. Die meisten von ihnen sind demnach russischer Abstammung, andere stammen aus den USA, der Türkei, Norwegen, Moldawien, Ukraine und Weißrussland.

Am Freitagmorgen griff die israelische Luftwaffe nach Angaben einer Armeesprecherin 20 Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen an. Darunter sei auch das Hauptquartier des militanten Flügels der Hamas gewesen. Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser sieben Raketen auf Israel ab. Zwei Raketen trafen zwei Wohngebäude in der südisraelischen Stadt Aschkelon. Zwei Israelis wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Bei den israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde bisher 420 Menschen getötet worden. Weitere 2100 Personen sind verletzt worden. 300 Palästinenser schweben den Angaben zufolge in Lebensgefahr. Auf israelischer Seite gab es durch Raketenbeschuss bislang vier Tote. (nis/dpa/AFP)

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