Gazastreifen : Palästinenser greifen Israelis mit Raketen an - Dutzende Verletzte

Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser sind in Israel mindestens 69 Soldaten verletzt worden. In Israel steigt nun der Druck auf Premier Olmert, in einer groß angelegten Aktion zurückzuschlagen.

Tel AvivBeim folgenschwersten palästinensischen Raketenangriff auf Israel seit Monaten sind auf einem Militärgelände 69 Soldaten verletzt worden. Einer der Soldaten schwebe in Lebensgefahr, zwei seien schwer verwundet, sagte ein Armeesprecher. Zu dem vom Gazastreifen aus verübten Anschlag bekannte sich die radikalislamische Organisation Islamischer Dschihad. Mit dem Angriff wächst der Druck auf die israelische Regierung, den anhaltenden Beschuss aus den Palästinensergebieten zu beenden. Israels Handelsminister Eli Jischai forderte eine Verschiebung der von US-Präsident George W. Bush für Herbst geplanten Nahostkonferenz.

Die Rakete schlug dem Militärsprecher zufolge in der Nacht zum Dienstag in ein Zelt im Zentrum des Armeestützpunkts Sikim nördlich des Gazastreifens ein. Verletzt wurden demnach Soldaten, die in der Nähe des getroffenen Zeltes schliefen. Rund 20 Krankenwagen und zwei Hubschrauber hätten die Verletzten in Krankenhäuser gebracht. Auf dem Gelände hielten sich junge Rekruten auf, die am Dienstag ihre Grundausbildung beenden sollten. Dutzende besorgte Eltern trafen nach dem Raketeneinschlag in Sikim ein.

"Der Widerstand ist die einzige Alternative"

Die El-Kuds-Brigaden, der militärische Arm des Islamischen Dschihad, bekannten sich zu dem Anschlag. Ein Anführer des Islamischen Dschihad, Abu Hamseh, bezeichnete den Angriff vor Journalisten in Gaza als "den Anbruch des Sieges". "Der Widerstand ist die einzige Alternative, um unsere Rechte wiederzuerlangen und unsere heiligen Stätten zu befreien", sagte er. Er warnte Israel davor, den Gazastreifen anzugreifen: Dies sei eine "Dummheit". Kurz nach dem Raketenbeschuss von Sikim wurde eine palästinensische Familie durch die Explosion einer israelischen Granate in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens verletzt. Unter den Opfern seien auch zwei Kinder, verlautete aus Medizinerkreisen.

Nach israelischen Rundfunkberichten beriet der israelische Regierungschef Ehud Olmert nach den Anschlägen mit verschiedenen Ministern - unter ihnen auch Verteidigungsminister Ehud Barak - und dem Generalstab über eine Reaktion. Dem Rundfunk zufolge setzen seine Kabinettsmitglieder Olmert zunehmend unter Druck, einen Militärangriff anzuordnen oder Kollektivstrafen wie einen Stop der Wasser- oder Treibstofflieferungen in den Gazastreifen zu verhängen, um den anhaltenden Raketenbeschuss Israels zu vergelten. Olmert sei momentan aber weiter gegen derartige Strafen, sagte seine Sprecherin Miri Eisin.

Palästinenser nicht bereit für Nahostkonferenz?

Olmert hatte am vergangenen Donnerstag gewarnt, sein Land werde "ohne Mitleid und ohne jedes Zögern" bewaffnete Palästinensergruppen ins Visier nehmen, die in Angriffe auf Israel verstrickt seien. Noch am selben Tag waren zehn radikale Palästinenser im Gazastreifen von israelischen Soldaten getötet worden.

Der ultra-orthodoxe Handelsminister Jischai forderte unterdessen im Armeerundfunk, die von Bush angeregte Nahostkonferenz zu verschieben. Die Palästinenser seien noch nicht reif für eine derartige Konferenz, weshalb diese zwangsläufig scheitern und zu einer neuen Intifada führen werde. Alle politischen Schritte förderten derzeit nur die radikalislamische Hamas, betonte er.

Die Hamas hatte Mitte Juni die Macht im Gazastreifen übernommen. Noch am Montag hatte Olmert in Jerusalem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas getroffen, um mit ihm schon vor der Konferenz über Kernfragen des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern zu beraten. (mit AFP)

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