Gazastreifen : Sieben Tote bei israelischem Militäreinsatz

Bei neuen heftigen Kämpfen im Gazastreifen haben israelische Soldaten mindestens sechs Palästinenser erschossen und 40 weitere verletzt. Auch ein israelischer Soldat kam ums Leben.

Beit Hanun/Jerusalem - Infanterie- und Panzereinheiten starteten in den Morgenstunden die Operation "Herbstwolken" und besetzten die Stadt Beit Hanun im Norden des Palästinensergebiets, wie Armee und palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Unter den Toten seien drei Mitglieder des bewaffneten Arms der radikalislamischen Hamas. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem "Massaker". Das israelische Sicherheitskabinett schloss eine Ausweitung der Offensive aus.

Die Armee kontrolliere Beit Hanun und habe die Stadt mit etwa sechzig Panzern und gepanzerten Fahrzeugen eingekreist, verlautete aus palästinensischen Krankenhauskreisen. Auch die Nachbarorte Dschabalija und Beit Lahja seien teilweise besetzt. In Beit Hanun wurde nach Angaben der israelischen Armee ein Soldat von Palästinensern erschossen. Augenzeugen berichteten, dass die Armee mit Planierraupen in der Stadt drei Häuser dem Erdboden gleichgemacht habe; rund ein Dutzend weiterer Häuser seien durch Panzergeschosse beschädigt worden. Israelische Soldaten hätten auf Hausdächern Stellung bezogen. Über dem Einsatzgebiet kreisten Hubschrauber und Drohnen. Die Armee störe Radiosender und verbreite Botschaften auf Arabisch an die palästinensische Bevölkerung, hieß es weiter.

Operation "Herbstwolke"

In einer dieser Botschaften hieß es: "Diese Operation richtet sich gegen terroristische Elemente. Die Armeeaktivitäten werden bis zur Befreiung des Soldaten Gilad Schalit fortgesetzt". Schalit war am 25. Juni von Extremisten dreier radikaler Palästinensergruppen, darunter die Hamas, von seiner Einheit an der Grenze in den Gazastreifen verschleppt worden und ist seither verschwunden.

Ziel der Operation "Herbstwolken" sei, die regelmäßigen Raketenangriffe Israels aus dem Gazastreifen "deutlich" einzudämmen, erklärte Verteidigungsminister Amir Perez bei einem Truppenbesuch an der Grenze zum Gazastreifen. Perez sei aber gegen eine Ausweitung des Einsatzes, berichtete der Armeerundfunk. Der Generalstab hatte dagegen eine groß angelegte Offensive im Süden des Gazastreifens erwogen, um den Waffenschmuggel aus Ägypten zu unterbinden. Das Sicherheitskabinett folgte jedoch den Vorgaben von Perez. Im Süden rückten israelische Einheiten nur beim Flughafen von Rafah vor und in die Ortschaft Schoka ein, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten.

Hanija: Vorfall im Zusammenhang mit Avigdor Lieberman

Abbas verurteilte den Armeeeinsatz im Norden des Gazastreifens als "verabscheuungswürdiges Verbrechen". Israel müsse seine "feindlichen Aktionen" umgehend einstellen. Der Palästinenserpräsident forderte die internationale Gemeinschaft auf, "schnell einzugreifen", um die Angriffe zu beenden und eine Verschlimmerung der Lage in der Region zu verhindern. Der palästinensische Regierungschef Ismail Hanija brachte den Einsatz mit dem Eintritt des Ultranationalisten Avigdor Lieberman in die Regierung in Verbindung. Lieberman selbst schlug bei einer Kabinettssitzung vor, die israelische Armee solle im Gazastreifen dieselben Methoden anwenden wie die russische Armee in Tschetschenien. (tso/AFP)

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