Politik : Gebeine von Kriegsopfern überführt

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Prag - Die seit Jahren in einer nordböhmischen Fabrikhalle lagernden Gebeine von etwa 4300 deutschen Weltkriegstoten sind am Mittwoch von der tschechischen Armee in ein Depot überführt worden. Etwa 15 Lastwagen brachten unter großem Medieninteresse die in Kartons aufbewahrten Überreste in einer Polizeikolonne von Usti nad Labem (Aussig) in das militärische Sperrgebiet Brdy in Mittelböhmen.

Spätestens 2008 sollten die teilweise nicht identifizierten Gebeine von Wehrmachtsoldaten, SS-Angehörigen und Zivilisten vermutlich im westböhmischen Kurort Marienbad (Marianske Lazne) oder der nordmährischen Stadt Hlucin (Hultschin) bestattet werden.

Ursprünglich sollten die Überreste im Rahmen einer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Kassel) geplanten Gedenkstätte in Prag beigesetzt werden. Das Projekt scheiterte aber an den Kosten. Der Volksbund werde der tschechischen Armee für die Unterbringung der Gebeine jährlich etwa 1000 Euro zahlen, meldete die Prager Nachrichtenagentur CTK. Zum Abschluss der Überführungsaktion werde an diesem Donnerstag im Sperrgebiet eine Zeremonie mit einem katholischen und einem evangelischen Militärpfarrer stattfinden.

Das Lagern der Gebeine in der Fabrikhalle war von Politikern und Medien in Tschechien und Deutschland als pietätlos und skandalös bezeichnet worden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte unlängst bei einem Besuch in Tschechien eine schnelle Bestattung angemahnt.dpa

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