Geberkonferenz : Hohe Lebensmittelpreise beunruhigen die Regierungen

Die Geberkonferenz der Vereinenten Nationen und der Hilfsorganisationen in Kenia blieb ohne greifbares Ergebnis. Seit der Nahrungsmittelkrise 2008 wird mehr in die Landwirtschaft investiert – aber noch nicht genug.

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Die erste Hilfslieferung ist in Mogadischu angekommen. Viel zu spät, kritisieren viele. Der Hungersnot hätte man vorbeugen können. Foto: DPA
Die erste Hilfslieferung ist in Mogadischu angekommen. Viel zu spät, kritisieren viele. Der Hungersnot hätte man vorbeugen können.Foto: DPA

Eine Geberkonferenz hätte es werden sollen, zu einem Koordinierungstreffen ist es geworden. Am Mittwoch haben in der kenianischen Hauptstadt Nairobi Vertreter der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen über die Hungerkrise in Ostafrika beraten. Offenbar ohne greifbares Ergebnis: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief konkret Saudi-Arabien, Katar und Kuwait dazu auf, ihren Beitrag zu leisten. Reagiert haben sie darauf noch nicht.

Michael Brüntrup, Landwirtschaftsexperte des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), weiß aus Erfahrung, „dass es oft Krisen braucht, um zumindest Teilreformen durchzusetzen“. So hatte ein Beschluss aller afrikanischen Länder aus dem Jahr 2003, den Anteil der Landwirtschaft an den Staatsbudgets auf mindestens zehn Prozent hochzufahren, lange Zeit nur begrenzten Einfluss auf deren Agrarpolitik. Und die Geberländer zogen auch nicht mit. Aber nach der Nahrungsmittelkrise 2007/08, als es wegen der hohen Lebensmittelpreise weltweit zu Krawallen gekommen war, scheint mehr Bewegung in die Agrarpolitik zu kommen. Als Reaktion auf die Krise haben die Regierungen der Geberländer versprochen, mehr in die Landwirtschaft zu investieren. Beim G-8-Gipfel in L'Aquila haben die wichtigsten Industriestaaten eine deutliche Aufstockung der Mittel für die ländliche Entwicklung angekündigt. Davon ist bisher nur ein Bruchteil tatsächlich umgesetzt worden.

Brüntrup weist aber darauf hin, dass die Welt jetzt schon seit einem guten halben Jahr mit Lebensmittelpreisen auf dem Niveau der Krisenjahre 2007 und 2008 lebt. Zwar gibt es politische Unzufriedenheit, aber regelrechte Hungerrevolten sind daraus bisher nicht geworden. Brüntrup sagte dem Tagesspiegel: „Durch das höhere Preisniveau nehmen Regierungen die Landwirtschaft wieder Ernst. Und die Bauern investieren mehr.“ Für diese These spricht, dass die Lebensmittelpreise, die in Europa wegen der Finanzkrise 2009 wieder gesunken waren, in den meisten Entwicklungsländern nur geringfügig zurückgegangen waren, und die Produktion in vielen Regionen angezogen hat. „Aber natürlich braucht die Revitalisierung der Landwirtschaft viel Zeit, Nachhaltigkeit und noch mehr Mittel“, sagte Brüntrup. Dass die Hungerkrise in Ostafrika sich dramatisch zuspitzen musste, ist für ihn ein Zeichen, „dass Hungernde, die nicht in den Nachrichten sind, offenbar nicht ausreichen“.

Dafür spricht auch die Beobachtung der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach werden seit Jahren jeden Monat mindestens zehn spindeldürre Babys im Wajir- Krankenhaus im somalischen Teil Nordostkenias aufgenommen. Seit Mai stieg die Zahl auf 32 schwer unterernährte Kinder. Im Dezember 2008 waren es schon einmal 40 fast verhungerte Kleinkinder – ohne große internationale Reaktion.

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