Geberkonferenz in Birma : Deutsche Helfer erreichen die Zyklon-Opfer

Die birmanische Militärjunta hat ihr Versprechen eingehalten und die ersten ausländischen Helfer in das Katastrophengebiet gelassen. Der deutsche Delegierte bei der Geberkonferenz in Birma, Gernot Erler, sprach von einem "echten Durchbruch".

Birma
Unicef-Hilfslieferung für Birma. -Foto: dpa

RangunMitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) aus Deutschland konnten am Wochenende ungehindert mit zwei Wasseraufbereitungsanlagen in das besonders betroffene Irrawaddy-Delta reisen. Das bestätigte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), der zusammen mit Vertretern aus über 40 anderen Ländern an der Geberkonferenz für die Zyklon-Opfer in Rangun teilnimmt.

Die Regierung schätzt die Kosten für den Wiederaufbau auf 10,7 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro). Die Konferenzteilnehmer machten deutlich, dass weitere Hilfe von einer Bedarfsanalyse abhängt. Birma will aber nur Hilfe akzeptieren, die ohne jede Auflage gegeben wird. "Einige Länder wie China haben neue Hilfe versprochen", sagte Hanke Veit, Direktorin des UN-Büros für humanitäre Hilfe in Birma. "Aber die meisten warten auf Details - ob sie Zugang bekommen, wie Rechenschaft über Hilfe abgelegt wird, und was genau zerstört wurde."

Berlin zahlt vier Millionen Euro Soforthilfe

Die Geberkonferenz begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Wirbelsturms, der vor drei Wochen das Irrawaddy-Delta im Süden Birmas verwüstete. 133.000 Menschen gelten als tot oder vermisst. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2,4 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Die Junta ließ zunächst keine Ausländer in die Region. Sie gab ihren Widerstand erst nach dringenden Aufrufen und einem persönlichen Appell von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Freitag auf.

Erler sprach von einem "echten Durchbruch". Er hoffe, dass die Einreise des THW in das Katastrophengebiet kein Einzelfall sei. Die THW-Anlagen können pro Tag jeweils 120.000 Liter Trinkwasser herstellen. Erler stellte weitere deutsche Hilfen in Aussicht, wenn eine vernünftige Bedarfsanalyse vorliege. Die Bundesregierung hat deutschen und internationalen Hilfsorganisationen bislang vier Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

Ban Ki Moon spricht von "Wendepunkt"

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung auf einen "Wendepunkt" in der Haltung der birmanischen Militärregierung. Vertreter der USA erklärte, sie seien bereit zu mehr Hilfe, unter der Voraussetzung, dass die Junta ausländische Experten in die Katastrophengebiete lasse. "Es muss noch viel mehr getan werden", sagte Ban. "Ich rechne mit einer Hilfsaktion, die mindestens sechs Monate dauert, in denen wir diejenigen, die alles verloren haben, versorgen", sagte er in Rangun. Nach UN-Schätzungen ist erst ein Viertel der rund 2,4 Millionen Bedürftigen ausreichend versorgt.

"Wir freuen uns über jede Hilfe, die rein aus guten Willen gegeben wird, vorausgesetzt, es werden keine Auflagen gemacht, und nichts wird politisiert", sagte Regierungschef Thein Sein. Die mehr als 1000 Tonnen Hilfsgüter an Bord von amerikanischen, französischen und britischen Kriegsschiffen direkt vor der Küste dürften nur mit zivilen Booten in den Hafen von Rangun gebracht werden. Birma schottet sich seit Jahrzehnten ab. Die Junta schürt immer wieder Angst vor Invasionen.

Tausende warten noch immer auf Hilfe

Die Regierung hat mehrfach darauf beharrt, dass die Opfer bereits versorgt sind und die Wiederaufbauphase beginnen kann. Dem widersprechen Hilfsorganisationen. "Dort gibt es noch immer Zehntausende notleidende Menschen, die noch keinen Helfer gesehen haben", sagte auch Erler.

Nach Meinung des australischen Birma-Forschers Sean Turnell könnte Birma dank hoher Einnahmen aus der Gasförderung den Wiederaufbau selbst finanzieren. Das Land habe 3,5 bis 4 Milliarden Dollar Währungsreserven, sagte er. Die Junta gebe das Geld falsch aus, etwa für den Bau der neuen Hauptstadt Naypyidaw oder ein russisches Atomkraftwerk. "Langfristige Hilfsgelder sollten unter keinen Umständen in die Hände des Regimes oder ihrer Kumpanen gegeben werden", warnte Turnell. "Fast 50 Jahre Misswirtschaft sind der Hauptgrund für Birma Tragödie - alles, was das Regime stützt, sollte vermieden werden." (küs/dpa)

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