Geburtenentwicklung : Mehr Kinderlein kommen

Ein ungewöhnlicher Anstieg der Geburtenzahl in den ersten drei Quartalen dieses Jahres löst bei Statistikern und Bevölkerungsforschern Verwunderung aus.

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Berlin - Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelte, wurden zwischen Januar und September in Deutschland 509.500 Kinder geboren, während es im gleichen Zeitraum des Jahres 2009 nur 491.600 waren. Das ist ein Anstieg um rund 18.000 oder 3,6 Prozent. Zwar seien die Zahlen nur vorläufig und deshalb auch nicht hundertprozentig zuverlässig, hieß es aus dem Statistikamt. Dennoch sei der Positivtrend auch im Vergleich zu den Vorjahrszeiträumen außergewöhnlich.

In den vergangenen Jahren war die Geburtenzahl in Deutschland bis auf eine Ausnahme stets zurückgegangen. Nur zwischen 2006 und 2007 wurde ein leichter Zuwachs um 1,5 Prozent verzeichnet. 2009 erreichte die Zahl der Geburten mit 665.126 einen historischen Tiefpunkt. Im Rekordjahr 1964 waren mehr als doppelt so viele Kinder zur Welt gekommen.

Für Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden sind die Zahlen aus den ersten drei Quartalen überraschend. „Das hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet“, sagte er dem Tagesspiegel. Doch er rät zur Vorsicht in der Bewertung. Er weist darauf hin, dass seit nunmehr 30 bis 40 Jahren die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zurückgehe. Da auch die durchschnittliche Kinderzahl von Frauen seit Jahren etwa konstant zwischen 1,36 und 1,38 liege, sei ein so plötzlicher Anstieg der Geburten verwunderlich. Zumal es keine neuen familienpolitischen Leitlinien oder einen erkennbaren Mentalitätswechsel in der Gesellschaft gebe. Insofern will Dorbritz erst einmal die verlässlicheren Zahlen für das Gesamtjahr abwarten.

Tatsächlich kann man die Geburtenzahl aus den ersten drei Quartalen nicht auf das vierte Quartal fortschreiben. Denn seit etlichen Jahren werden zwar im September die meisten, in den Monaten Oktober, November und Dezember aber die wenigsten Kinder geboren. Um Weihnachten herum werden also die meisten Kinder gezeugt. In den 60er Jahren dagegen kamen die meisten Kinder im März zur Welt.

SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, sagte dem Tagesspiegel, „die Politik sollte sich jetzt nicht gleich anmaßen zu glauben, sie hätte alles richtig gemacht“. Es sei „noch viel zu tun, damit unsere Gesellschaft wirklich kinder- und familienfreundlich wird“. Nötig seien mehr und bessere Ganztagsangebote in Kitas und Schulen, Investitionen in Infrastruktur hätten Vorrang.

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