Gedenken am Ground Zero : Kein Platz für Helden

Ausgerechnet die Feuerwehrleute, die damals unter größter Gefahr in die Türme vordrangen, dürfen beim Gedenken nicht dabei sein.

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Was wird aus Ground Zero? Wo ein riesiges Loch klaffte, erwacht neues Leben, wachsen neue Wolkenkratzer in den Himmel.Alle Bilder anzeigen
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11.09.2010 09:46Was wird aus Ground Zero? Wo ein riesiges Loch klaffte, erwacht neues Leben, wachsen neue Wolkenkratzer in den Himmel.

Eine Vokabel stirbt. Es war einmal „Ground Zero“. Ort des Schreckens. Hier legten Terroristen vor zehn Jahren das World Trade Center in Schutt und Asche und töteten fast 3000 Menschen. Amerika litt lange unter dem Trauma. Doch in diesen Tagen erwacht das Land neu. Am zehnten Jahrestag des Angriffs eröffnet Präsident Barack Obama die 9/11-Gedenkstätte – dort ist dann nicht mehr „Ground Zero“, sondern das neue World Trade Center.

New Yorker und Touristen aus aller Welt verfolgen die Wiedergeburt seit Monaten. Dicht gedrängt stehen sie am Bauzaun, schauen hinauf, wo sich das ikonische Gebäude „One World Trade Center“ langsam in den Himmel schiebt. Mit jedem Stahlträger, mit jedem Stockwerk wirft es ein wenig Last ab. In der gläsernen Fassade spiegelt sich der blaue Sommerhimmel mit seinen Wolkenfetzen. 80 Stockwerke hoch wird der Turm zum Jubiläum sein, weitere 21 folgen noch, inklusive der Aussichtsplattformen in der 100. und 101. Etage. Die gewaltige Antenne eingerechnet soll der Turm letztlich 1776 Fuß messen – eine Hommage an das Gründungsjahr der Vereinigten Staaten.

Eine Hommage – und ein Rekord. New York hat mit dem neuen Tower wieder das höchste Gebäude des Landes und Chicago vom Sockel gestoßen. Das tut hier gut, und doch geht es um mehr. Hier, an der Südspitze Manhattans geht es nicht mehr nur um Stolz, sondern um Besinnung. Inmitten der mehr als sechs Hektar großen Anlage entsteht eine Gedenkstätte, die schon bald das neue Herz der Millionenmetropole sein dürfte.

Kernstück sind die „Footprints“, die Grundrisse der ursprünglichen Türme. Der Rauch des 11. September 2001 hatte sich noch nicht gelegt, da hatte man diesen Bereich schon zum „heiligen Boden“ erklärt und von einer neuen Bebauung ausgeschlossen. Zehn Jahre später sind die Grundrisse weit offen. Wasserfälle stürzen zehn Meter tief hinab, auf der Brüstung sind 2981 Namen eingraviert, die Namen der Opfer, darunter sechs, die beim ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 ums Leben kamen. Um die „Fußstapfen“ stehen 150 Bäume, dazwischen der Memorial Pavillon, das Museum.

In den großzügig gestalteten Räumen dürfte es beklemmend werden, wenn Touristen die Sammlung betrachten. Den Feuerwehrwagen, der im Schatten der Türme von Trümmern zerbeult wurde. Das gewaltige Kreuz aus Stahlträgern, das Retter während der Aufräumarbeiten fanden und als Zeichen der Hoffnung bargen. Die angesengte Geldbörse von Ester DiNardo, die für den Finanzriesen Cantor Fitzgerald im Nordturm arbeitete und das Unglück nicht überlebte. Den abgegriffenen Helm, den Leutnant Mickey Kross vom Fire Department New York trug, als er im Nordturm Leben rettete. Das Taschentuch, mit dem sich Carl Selinger 1993 in einem verrauchten Aufzug schützte, und den „letzten Brief“, den er an seine Frau und Kinder schrieb. Selinger überlebte den Bombenanschlag.

Schon jetzt stehen die Leute Schlange, um in das Museum zu gelangen - dabei eröffnet es erst 2012. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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