Politik : Gedenken an die Opfer von Tschernobyl

Thomas Roser

Minsk - Zehntausende Menschen haben in den Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion am Mittwoch der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gedacht. Schon in der Nacht zum Mittwoch erinnerten Ukrainer und Weißrussen mit brennenden Kerzen und roten Nelken an die größte Katastrophe der sowjetischen Nachkriegsgeschichte. Um 1 Uhr 23 schlugen in Kiew 20 Mal die Kirchenglocken: Genau zwei Jahrzehnte zuvor hatte eine Explosion im vierten Reaktor des ukrainischen Meilers Tschernobyl das bislang schwerste Unglück der zivilen Nutzung der Atomenergie ausgelöst. Nach „20 Jahren des Schmerzes und der Angst“ müsste es in den damals verstrahlten Gebiete nun „Veränderungen“ geben, sagte der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko bei einer Gedenkveranstaltung in Tschernobyl. Zugleich forderte er „neue soziale Konzepte“, um den Tschernobyl-Überlebenden zu helfen, die Sperrgebiete zu entwickeln und den verstrahlten Boden zu rekultivieren. Mit Hilfe ihrer internationalen Partner werde die Ukraine beweisen, dass sie keine „schwarzen Löcher“ mehr auf ihrer Landkarte habe, so der Staatschef: „Der Albtraum von Tschernobyl ist vorbei.“

Im benachbarten Weißrussland, das 1986 am härtesten von der Katastrophe getroffen wurde, äußerten in der Hauptstadt Minsk etwa 10 000 Menschen beim traditionellen Tschernobyl-Marsch auch ihren Unmut über die Politik des autoritären Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko. Der Marsch in Richtung des Hauptgebäudes der Akademie der Wissenschaften wurde von Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch angeführt. Lukaschenko kündigte unterdessen verstärkte Anstrengungen zur Rekultivierung der verstrahlten Gebiete an. Er räumte ein, dass viele der Umgesiedelten an ihren Wohnorten nicht heimisch geworden seien.

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