Gedenken : Polen steht still

Mit zwei Schweigeminuten haben die Polen ihres Präsidenten Lech Kaczynski und der übrigen Opfer des Flugzeugsunglücks vom Sonnabend gedacht. Bundeskanzlerin Merkel kam in die polnische Botschaft in Berlin.

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Kanzlerin Merkel trägt sich ins Kondolenzbuch in der polnischen Botschaft in Berlin ein. -Foto: dpa

Moskau/WarschauNach dem Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und einem Großteil der polnischen Führungselite haben am Sonntag die Menschen landesweit mit zweiminütigem Schweigen der 97 Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht.

Im ganzen Land heulten die Sirenen um 12.00 Uhr, Fußgänger in der Hauptstadt Warschau blieben stehen, Autofahrer verließen ihre Farzeuge um innezuhalten. Zuvor waren die Menschen landesweit in die Gottesdienste geströmt, um der Opfer des Absturzes vom  Samstag zu gedenken.

In Berlin drückte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der polnischen Botschaft ihr Beileid für den Tod des Präsidenten Lech Kaczynski und vieler hochrangiger Politiker ausgedrückt. Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer trugen sich am Sonntag in das Kondolenzbuch der Botschaft ein. Am Brandenburger Tor versammelten sich rund hundert Menschen zu einer Schweigeminute im Gedenken an die Unglücksopfer. Auch in den Kirchen der deutschen Hauptstadt wurde in Gottesdiensten der Toten gedacht.

Bereits am Samstagabend hatten die Regierungschefs von Polen und Russland, Donald Tusk und Wladimir Putin, gemeinsam am Ort der Katastrophe im russischen Smolensk Blumen niedergelegt und der 96 Toten gedacht. Putin versicherte Tusk nach Angaben der Agentur Interfax, dass russische und polnische Spezialisten bei der raschen Aufklärung des Unglücks zusammenarbeiten würden.

Tausende Menschen erwiesen in Polen dem verunglückten Staatsoberhaupt die letzte Ehre. Sie versammelten sich spontan vor dessen Amtssitz in Warschau. Sie beteten und sangen. Vor dem Präsidentenpalast leuchteten tausende Grablichter, Blumen wurden gelegt. In zahlreichen Kirchen in Warschau, Krakau und vielen anderen Städten wurden Trauermessen abgehalten. Im Warschauer Dom sagte Erzbischof Kazimierz Nycz, der tragische Flugzeugabsturz habe ganz Polen verletzt. Die Tragödie solle aber zur Einheit der Nation beitragen.

Polens Präsident stirbt bei Flugzeugabsturz
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10.04.2010 13:0710. April 2010 - Der Präsident ist tot: Beim Absturz eines Regierungsflugzeugs kommt am Samstagmorgen der polnische...


Kaczynski war mit einer ranghohen Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die Ermordung polnischer Soldaten durch den sowjetischen Geheimdienst vor 70 Jahren im russischen Katyn. Unter den Toten ist auch Kaczynskis Frau. Auch Vize-Parlamentschef Jerzy Szmajdzinski, Vize-Außenminister Andrzej Kremer, der Chef des Generalstabs, Franciszek Gagor, und mehrere Parlamentarier sind tot. Gestorben sei die „Elite der Nation“, sagte Ex-Präsident Lech Walesa.

Putin kündigte eine rasche Aufklärung des Flugzeugabsturzes an. „Wir müssen alles tun, um den Familien, um den Angehörigen der Opfer zu helfen.“ Das sagte Putin im russischen Staatsfernsehen. Präsident Dmitri Medwedew hatte den früheren Kremlchef zum Chef der Untersuchungskommission ernannt.

Alle Opfer seien mittlerweile geborgen worden, sagte der russische Zivilschutzminister Sergej Schoigu. Ihre Leichen würden nach Moskau übergeführt. Transportminister Igor Lewitin warf dem polnischen Piloten vor, „eigenmächtig“ gehandelt zu haben. Die Sichtweite zum Unglückszeitpunkt habe nur 400 Meter betragen. Vorgeschrieben seien Landungen ab 1000 Metern Sicht, sagte Lewitin. Es seien zwei Flugschreiber gefunden worden. Die Geräte sollen nach Moskau gebracht und dort von russischen und polnischen Spezialisten gemeinsam ausgewertet werden.

Ein Nachfolger Kaczynskis soll bis spätestens 20. Juni gewählt werden. Ursprünglich sollten die Präsidentenwahlen im Herbst stattfinden. Der polnische Parlamentschef Bronislaw Komorowski, der gemäß der Verfassung bis zur Neuwahl die Geschäfte des tödlich verunglückten Staatsoberhauptes übernommen hat, kündigte am Samstagabend an, er werde innerhalb von 14 Tagen über den Wahltermin entscheiden. Der Urnengang muss dann an einem Sonntag innerhalb von 60 Tagen nach dieser Entscheidung stattfinden.

Komorowski wird nach derzeitigem Stand selbst bei der Präsidentenwahl antreten. Er war bereits Ende März von der liberalen Regierungspartei Bürgerplattform PO zu ihrem Kandidaten ernannt worden. (sf/dpa/AFP) 

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