Politik : Gedenktafel für toten Angolaner geschändet

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Unbekannte Täter haben in Eberswalde die Gedenktafel für den Angolaner Amadeu Antonio geschändet, den Rechtsextremisten Ende 1990 als ersten Ausländer nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland töteten. Die Tafel sei mit einem Hakenkreuz sowie rechtsradikalen Parolen beschmiert worden, teilte die Polizei gestern in Eberswalde mit. In Guben soll der kürzlich geschändete Gedenkstein für den Algerier Farid Guendoul alias Omar Ben Noui, der im Februar 1999 auf der Flucht vor Rechtsextremisten tödlich verunglückte, eine neue Metallplatte erhalten. Dazu würden Spenden gesammelt, teilten die Antifa Guben und die Arbeitsgruppe für Flucht und Migration in Cottbus am Dienstag mit.

Amadeu Antonio war Ende November 1990 in Eberswalde von Rechtsextremisten geschlagen und getreten worden. Drei Wochen später erlag der Angolaner seinen Kopfverletzungen. Die Gedenktafel am Tatort wurde ungezählte Male beschmiert. Das Polizeipräsidium Eberswalde bittet im aktuellen Fall Zeugen, sich rasch zu melden.

Im Fall des bereits mehrfach geschändeten Gedenksteins in Guben hat die Polizei ebenfalls noch keine Hinweise auf Tatverdächtige. Die von der Antifa Guben gestiftete Metallplatte hatte ein oder hatten mehrere Täter mit massiven Schlägen beschädigt. Dies war am vergangenen Sonntag entdeckt worden.

Der 28-jährige, aus Algerien stammende Asylbewerber Farid Guendoul war mit zwei Freunden in der Nacht zum 13. Februar vor den Verfolgern geflüchtet, die auf der Jagd nach einem Schwarzen waren. Dieser soll beim Streit vor einer Diskothek einen deutschen Jugendlichen verletzt haben. Farid Guendoul trat in Panik die Glasscheibe einer Haustür ein, schnitt sich eine Knieschlagader auf und verblutete im Treppenhaus.

Wegen der Hetzjagd stehen seit Juni elf junge Männer aus der Neißestadt vor dem Landgericht Cottbus. Sie müssen sich vor allem wegen fahrlässiger Tötung verantworten, einigen werden auch andere Taten vorgeworfen. Dennoch beteiligten sich drei Angeklagte in der Silvesternacht an einem rechten Aufmarsch in Guben. Das Trio wurde zusammen mit sechs weiteren Rechten von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die Antifa Guben vermutet, dass der Gedenkstein Silvester beschädigt worden ist. Im Juli wurde er neben dem Wohnhaus aufgestellt, in dem der Algerier starb. Die Stadt Guben hatte den Granitstein gespendet, der aus dem Tagebau Jänschwalde stammt. Der Stein sei häufig mit NS-Parolen beschmiert und mit Nazi-Aufklebern verunziert worden, sagten die antifaschistischen Gruppen. Rechte Jugendliche hätten dort auch Bierflaschen zertrümmert und auf den Stein uriniert.

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