GEFÄHRLICHE FOLGEN : Armsein macht krank

Für Caritas-Präsident Peter Neher sind die Befunde aus der Wissenschaft „aufrüttelnd“: Arme Menschen sind kränker – und sie sterben früher. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen aus der Armutsrisikogruppe bei

Geburt rund acht Jahre unter der von Frauen

aus einer hohen Einkommensgruppe, wie Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts zeigen.

Bei Männern sind es sogar elf Jahre. Für arme

Menschen ist außerdem das Risiko höher,

einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder

chronische Bronchitis zu bekommen. Kinder und

Jugendliche aus sozial schwachen Familien, so heißt es im Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung 2009, seien außerdem häufiger von Übergewicht betroffen, mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Selbst im Säuglingsalter lassen sich bereits Unterschiede feststellen: So sterben Säuglinge aus Familien mit niedrigem Sozialstatus häufiger an plötzlichem Kindstod als Säuglinge mit höherem Sozialstatus.

Grundsätzlich gilt der Zusammenhang: Menschen mit schlechter Bildung sind eher von Armut bedroht und leiden häufiger unter körperlichen Einschränkungen. Das Krankheitsrisiko steigt außerdem, wenn jemand lange arbeitslos ist oder sich mit prekären Jobs über Wasser hält. Arbeitslosigkeit wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, sondern führt oft auch zu psychischen Belastungen. Die Caritas fordert unter anderem, die Praxisgebühr beim Arztbesuch

abzuschaffen
. Wer Hartz IV beziehe, überlege sich jede Ausgabe genau, notwendige Arztbesuche würden dadurch aufgeschoben, beklagt Caritas-Präsident Neher. Unzureichende Zugänge zum Gesundheitssystem gebe es außerdem

für Obdachlose, Asylsuchende, Flüchtlinge und

Illegale in Deutschland – also „die Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben“. ce

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