Gefährliche Mission : Die Retter von Fukushima

20 Freiwillige wollen im Atomkraftwerk helfen – und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Retten, was nicht mehr zu retten ist?
Retten, was nicht mehr zu retten ist?Foto: AFP

Tokio - Der japanische Akw-Betreiber Tepco hat einen offenbar erfolgreichen Aufruf nach freiwilligen Helfern zur Abwendung einer nuklearen Katastrophe am Atomkraftwerk Fukushima 1 gestartet. Auf das Ersuchen des Unternehmens hätten sich etwa 20 Freiwillige gemeldet, sowohl Firmenmitarbeiter als auch Mitarbeiter anderer Unternehmen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji am Donnerstag. Darunter sei ein kurz vor der Rente stehender 56-Jähriger mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der Kernenergieproduktion.

„Ich habe gegen die Tränen gekämpft, als ich gehört habe, dass mein Vater, der in einem halben Jahr pensioniert werden soll, sich zur Mithilfe bereit erklärt hat“, schrieb die Tochter des 56-Jährigen bei Twitter. Er habe gesagt, die Zukunft der Atomgeneration hänge davon ab, wie Japan mit der Katastrophe umgehe, hieß es weiter. „Ich begebe mich auf eine Art Mission“, zitierte die Frau ihren Vater.

Unweit des Akw Fukushima wird die radioaktive Belastung geprüft.
Unweit des Akw Fukushima wird die radioaktive Belastung geprüft.Foto: AFP

In Fukushima 1 arbeiten normalerweise rund 800 Menschen. Bis auf 50 Techniker zog die Betreiberfirma Tepco sie wegen der Gefahr durch Strahlung nach mehreren Explosionen und Bränden in den Reaktorgebäuden alle ab. Die 50 verbliebenen Arbeiter sind nun verzweifelt bemüht, die drei Reaktoren und außerdem noch die sechs Abklingbecken, in denen die abgebrannten Brennelemente lagern, zu kühlen und so eine noch viel größere Katastrophe für ihr Land zu verhindern. Die Retter setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Die Arbeiter können sich wegen der starken Strahlung jeweils nur für kurze Zeit in der Nähe der Reaktoren aufhalten. Die letzten verbliebenen Arbeiter in Fukushima 1 sind nach Einschätzung des Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz „Todeskandidaten“. Die gewaltige radioaktive Strahlung sei für sie eine „Katastrophe“, die sie wohl früher sterben lasse, sagte Sebastian Pflugbeil am Donnerstag. Vor allem das Krebsrisiko der Retter ist nach den Worten des Essener Nuklearmediziners Andreas Bockisch stark erhöht. „Das bedeutet aber nicht, dass sie jetzt oder in einem Jahr an Krebs sterben, aber möglicherweise bekommen sie in fünf oder in zehn Jahren Krebs“, sagte Bockisch, der die Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Essen leitet.

 Selbst wenn die Arbeiter erste Anzeichen einer akuten Strahlenkrankheit zeigten, etwa in Form von Grippeanzeichen, würden sie dies nach Einschätzung Bockischs zunächst nicht merken. „Die Retter sind mehr mit der Hitze, der Angst und der extremen körperlichen Arbeit beschäftigt.“ Sie kämpften jetzt ums Überleben der Region. „Mir tun diese armen Schweine leid“, sagte Bockisch.

Wie viele Arbeiter bereits bei dem Unfall in dem Atomkraftwerk verletzt wurden oder schon an den Folgen der extrem hohen Strahlung leiden, wird nur langsam bekannt. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) wurden bisher 23 Menschen verletzt, die meisten von ihnen bei den Reaktorexplosionen am Freitag und Montag. Zwei Mitarbeiter werden vermisst. Bei 20 Helfern in Fukushima, darunter zwei Polizisten, wurden bereits Verstrahlungen nachgewiesen, wie die IAEO unter Berufung auf die japanische Regierung berichtete. Ein Arbeiter wurde schwerer Strahlung ausgesetzt, als er radioaktiv belasteten Dampf aus einem Reaktor entweichen ließ. Er wird nun außerhalb des Reaktorgeländes behandelt. Tsp/dpa/AFP

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