Politik : Gefährliche Profis?

Experte vermutet, dass die Entführer der beiden Deutschen der „Islamischen Armee im Irak“ nahe stehen

C. Eubel,F. Jansen

Berlin - Es ist das erste Lebenszeichen: Der arabische Nachrichtensender Al Dschasira hat am Freitag ein Video ausgestrahlt, auf dem die beiden Deutschen zu sehen sind, die vor drei Tagen im Irak entführt wurden. In dem Film kauern die René Bräunlich und Thomas Nitzschke am Boden, bewacht werden sie von vier bewaffneten, vermummten Geiselnehmern. Es ist zu sehen, wie die beiden sprechen, zu hören sind sie jedoch nicht. Laut Al Dschasira fordern die entführten Deutschen die Bundesregierung auf, sich für ihre Freilassung einzusetzen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von „erschütternden Bildern“. Die Bundesregierung werde das Menschenmögliche tun, um die beiden Geiseln schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Dabei werde sie mit Augenmaß vorgehen. Experten des Ministeriums, des Bundesnachrichtendienstes und des Bundeskriminalamtes waren am Freitag damit beschäftigt, das Videoband auszuwerten.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ist das Video nicht sehr professionell gemacht. Gleichwohl müsse man davon ausgehen, dass es sich um professionelle Täter aus dem irakischen Widerstand handle. Der Terrorismusexperte Guido Steinberg, der bis vor kurzem Referent für Internationalen Terrorismus im Kanzleramt war, vermutet, dass es sich bei den Geiselnehmern um eine Gruppierung handelt, die der „Islamischen Armee im Irak“ nahe stehen könnte. Die „Islamische Armee im Irak“ setzt sich aus Saddam-Gefolgsleuten und Islamisten zusammen. Sie bekannte sich zur Ermordung des italienischen Journalisten Enzo Baldoni im August 2004 sowie zur Entführung zweier französischer Journalisten im September 2004, die wieder freigelassen worden waren. Außenminister Steinmeier sagte, er könne zu der Gruppe „im Einzelnen nichts sagen“.

Auf dem Video präsentieren sich die Entführer vor einem schwarzen Banner mit dem Namen ihrer Gruppe „Ansar al Tauhid wa Sunna“. Das könne auch darauf hindeuten, dass es sich um Unterstützer der Organisation „Armee der Helfer der Sunna“ (Jaisch Ansar al Sunna) handle, sagte Steinberg. Sie gilt als besonders gewaltbereite Terrorgruppe. Als ebenfalls denkbare Variante brachte Steinberg die Organisation des Al-Qaida-Statthalters im Irak, Abu Mussab al Sarkawi, ins Gespräch. Al Sarkawis Organisation hieß früher Al Tawhid Wa’l Dschihad und davor nur Al Tawhid. Im Oktober waren in Düsseldorf vier Mitglieder von Al Tawhid wegen geplanter Anschläge in Deutschland zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Angeklagten standen in engem Kontakt zu al Sarkawi.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte nicht kommentieren, ob es „weise und klug“ von der Firma gewesen sei, die beiden Mitarbeiter in den Irak zu schicken. Er erinnerte aber daran, dass das AA mit „sehr dringlichen Warnungen“ davon abrate, in den Irak zu reisen.

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